Archiv der Kategorie: Rezension

[Rezension] Todesurteil – Andreas Gruber

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Titel: Todesurteil

Reihe: Maarten S. Sneijder #2

Autor: Andreas Gruber

Genre: Thriller

Format: Taschenbuch, 576 Seiten

Verlag: Goldmann; Februar 2015

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Inhalt

In Wien verschwindet die zehnjährige Clara. Ein Jahr später taucht sie völlig verstört am nahen Waldrand wieder auf. Ihr gesamter Rücken ist mit Motiven aus Dantes „Inferno“ tätowiert – und sie spricht kein Wort. Indessen nimmt der niederländische Profiler Maarten S. Sneijder an der Akademie des BKA für hochbegabten Nachwuchs mit seinen Studenten ungelöste Mordfälle durch. Seine beste Schülerin Sabine Nemez entdeckt einen Zusammenhang zwischen mehreren Fällen – aber das Werk des raffinierten Killers ist noch lange nicht beendet. Seine Spur führt nach Wien – wo Clara die einzige ist, die den Mörder je zu Gesicht bekommen hat …

meinung

Der zweite Fall für Maarten S. Sneijder hat es wirklich in sich. Während Sabine Nemez in Düsseldorf ihre Ausbildung an der Akademie des BKA antritt, wird in Wien die vermisste Clara in einem Waldstück aufgegriffen, auf ihrem Rücken blutige Tätowierungen aus Dantes Inferno. Scheint es zunächst noch so, dass die beiden Handlungsstränge um Sabine Nemez und die Wiener Staatsanwältin Melanie Dietz in absolut keinem Zusammenhang stehen, so entwickelt sich schon bald eine recht tödliche Verbindung.

„Todesurteil“ ist nicht nur meine erste Bekanntschaft mit Herrn Sneijder, sondern auch meine erste Bekanntschaft mit Andreas Gruber. Nachdem ich das Buch gelesen habe, musste ich erst mal auf Streifzug nach mehr Gruberschen Lesestoff gehen und ich denke, das spricht Bände über die Qualität von „Todesurteil“. Auch wenn es sich um den zweiten Teil einer Ermittlerreihe handelt, so hatte ich als Neuling zu keiner Zeit das Gefühl irgendetwas verpasst zu haben. Maarten S. Sneijder ist ein sehr verschrobener und mürrischer Zeitgenosse, aber das begreift und versteht man auch ohne seinen ersten Fall zu kennen.

Durch die beiden zunächst völlig alleinstehenden Handlungsstränge kommt schon von Anfang an keine Langeweile auf. Während Sabine Nemez alte Fälle aufrollt und dabei auf mysteriöse Zusammenhänge stößt, muss sich Melanie Dietz in Wien mit der entführten Clara, deren grausamen Schicksal und weiteren auftauchenden Kinderleichen herumplagen. Es dauert sehr sehr lange, bis die beiden Handlungen ineinander verwoben werden, aber das ist zu keiner Zeit störend, denn sie sind für sich schon spannend genug. Man kommt auf den knapp 600 Seiten nicht ohne einzige Pause aus, immer muss man wissen wie es weiter geht und kontinuierlich tun sich neue Ergebnisse und Wendungen auf, die die Spannung nur noch weiter in die Höhe treiben. In diesem Buch gibt es nicht eine Seite, die irgendwie langweilig oder überflüssig ist.

Obwohl dieses Buch als Sneijders zweiter Fall auftritt, kommt der gute Mann doch enorm wenig darin vor. Hätte ich nicht vorher irgendwo gelesen, dass er schon mal eine tragende Ermittlerrolle gespielt hat, ich hätte ihn glatt als Nebenfigur abgestempelt. Aber gut, gegen die vorherrschende Frauenpower hatte er wohl keine Chance! Denn mit Nemez und Dietz bekommt der Leser in Düsseldorf und Wien zwei absolut charismatische Powerfrauen geboten, die beide unheimlich kämpferisch und sympathisch sind, ohne sich dabei wie Zicken oder Prinzessinnen aufzuführen – so mag ich das. Und überhaupt ist es so, dass die Charaktere hier alle irgendwie außergewöhnlich und spannend sind. Keiner, nicht mal der kleinste Nebendarsteller, ist auch nur ansatzweise durchschaubar, was natürlich für jede Menge Überraschungen sorgt.

bewertung

„Todesurteil“ ist ein unglaublich spannender Thriller, der mich zu keiner Zeit gelangweilt hat. Man kann die Finger nicht davon lassen, versucht seine Theorien aufzustellen und wird am Ende doch überrascht. Dass Sneijder etwas an den Rand gedrängt wird ist schade, aber dank der starken Damen absolut verschmerzbar. Absolute Empfehlung für Thrillerfans und definitiv nicht mein letztes Buch von Andreas Gruber.

5 Punkte

5 Kühe

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[Rezension] Spurlos im Schnee – Cordula Hamann

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Titel: Spurlos im Schnee

Autorin: Cordula Hamann

Genre: Thriller

Format: broschiert, 320 Seiten

Verlag: mira Taschenbuch; März 2015

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Inhalt

Der Kopf kahlgeschoren, in den Bauch ein Kreuz geritzt – unverwechselbar markiert der Serienmörder Thomas Bach seine Opfer. Als er nach einem Lawinenabgang seinem Gefangenentransport entfliehen kann, herrscht Angst in einem kleinen bayerischen Dorf. Von der Außenwelt abgeschnitten, sind die Menschen der schrecklichen Gewissheit ausgeliefert: Bach versteckt sich unter ihnen! Bereits am nächsten Morgen wird die Leiche einer Frau gefunden, mit kahlem Kopf und Kreuzmarkierung. Für die Studentin Katja Reichenberger und die verletzte Polizistin Claudia Jensen beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, denn der Schnee verwischt alle Spuren …

meinung

Ihren Ski-Urlaub hat sich Katja Reichenberger sicherlich anders vorgestellt. Erst steckt sie im Stau, dann wird sie auf der Umgehungsstraße von einer fast tödlichen Lawine erfasst und am Ende sitzt sie mit einem entflohenen Mörder und einer verschwörerischen Dorfgemeinschaft in der bayerischen Einöde fest. Klingt zunächst wie einer dieser seichten regionalen Krimis am Sonntagabend, hat aber am Ende mit ein paar verzwickten Wendungen und jeder Menge Spannung überrascht.

Man spürt die Anspannung schon auf der ersten Seite, da man ja dank des Klappentextes weiß was gleich passieren wird. Dementsprechend hält sich Cordula Hamann auch nicht großartig damit auf, die Ausgangssituation zu beschreiben, sondern man landet schon sehr bald in dem vom Schnee eingeschlossenen Dörfchen. Ich fand es unglaublich atmosphärisch, wie die Situation und die über allem schwebende Bedrohung durch den entflohenen Mörder so greifbar und spannend dargestellt wurde. Man erfährt schon bald, dass er nicht das einzige Problem ist, aber das macht das Ganze nur noch spannender und führt letztendlich dazu, dass man die gut 300 Seiten enorm schnell gelesen hat.

In dieser Geschichte ist nichts wie es scheint, auch wenn man manchmal das Gefühl hat, dass es doch so offensichtlich ist. Ich lag mit meinen Spekulationen am Ende nur bedingt richtig und wurde sehr oft aufs Neue mit Wendungen überrascht, die mich nur noch mehr zum Weiterlesen animiert haben. Dabei enthüllt sich immer mehr und mehr ein finsteres Geheimnis, das aber zu keiner Zeit irgendwie aufgesetzt oder unglaubwürdig wirkt, sondern sich perfekt in die mysteriöse Dorfatmosphäre und das Verwirrspiel um den Flüchtigen einfügt.

Was mich dann aber doch manches Mal gestört hat, waren die Protagonisten. Definitiv nicht in der Dimension von „absolut unausstehlich“, aber ich verstehe einfach nicht, weshalb es immer irgendwie irgendwo eine Lovestory geben muss, auch wenn sie, wie hier, völlig überflüssig und unrelevant für die Geschichte ist. Wenn ich einen Krimi bzw. Thriller lese, dann brauche ich keine Beziehungskiste, aber gut das ist halt Geschmackssache.

bewertung

Aber am Ende überwiegt doch der sehr positive Eindruck. „Spurlos im Schnee“ ist ein handwerklich guter und spannender Thriller, der ohne viel Blut und Gewalt auskommt und den Leser zum Miträtseln animiert.

4 Punkte

4 Kühe

Vielen Dank an Blogg Dein Buch und den MIRA Verlag für das Rezensionsexemplar!

[Rezension] Phoenix: Unsere Rache wird euch treffen – Matthias Jösch

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Titel: Phoenix – Unsere Rache wird euch treffen

Autor: Matthias Jösch

Genre: Thriller

Format: eBook, 557 Seiten

Verlag: dotbooks; Januar 2015

Preis: 5.99 €

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Inhalt

In Feuer, Schutt und Asche ist das dritte Reich untergegangen – doch noch immer träumen Fanatiker davon, es in blutigem Glanz auferstehen zu lassen. Eine junge Mossad-Agentin findet Hinweise auf eine schier unglaubliche Verschwörung und beginnt zu ermitteln. Von all dem ahnt der Mathematikdozent und BND-Mitarbeiter Adrian von Zollern nichts, als er in einem holländischen Antiquariat eine harmlos aussehende Kiste mit alten deutschen Schallplatten entdeckt. Doch schon kurze Zeit später muss er um sein Leben kämpfen – und gegen eine mächtige Organisation, die vor nichts zurückschreckt, um die Welt zu unterwerfen.

meinung

Adrian von Zollern bekommt es in seinem zweiten Fall mit dem Schrecken der Geschichte zu tun, der doch viel realer und lebendinger ist als ihm lieb sein kann. Ich möchte gar nicht großartig eine Inhaltsbeschreibung geben, denn in diesem Thriller wartet auf so ziemlich jeder Seite eine Wendung und da wäre jedes Wort schon zu viel verraten.

Von Matthias Jösch gibt es bereits einen rasanten Verschwörungsthriller mit Adrian von Zollern und das merkt man „Phoenix“ doch recht deutlich an. Obwohl die zwei Bücher inhaltlich komplett voneinander getrennt sind, kommt es doch recht häufig zu Anspielungen auf den ersten Fall, besonders im Bereich der Beziehungen. Es hat mich nicht gestört, denn man kann das Buch auch wunderbar ohne die ohnehin etwas erzwungen wirkende Beziehungskiste zwischen Adrian und seinen Freunden lesen. Ich glaube allerdings, dass es dem Leser dadurch sehr schwer fällt, eine Bindung zu den Charakteren aufzubauen und ihre Verhaltensweisen zu verstehen, deshalb wäre es wohl wirklich besser, man liest „Mammon“ zuerst.

Wie oben schon erwähnt, hat es dieses Buch wirklich in sich. Es sind gut und gerne 500 Seiten auf denen mehr Action passiert wie in einem zweistündigen Blockbuster-Film. Man braucht sich gar nicht auf eine Verschnaufpause einzustellen, denn man wird schon vom Prolog angefixt und muss wissen, wie die verschiedenen Handlungsstränge zusammenlaufen. Da gibt es einmal die rasante Action in der Gegenwart und dann noch einen Erzählstrang der tagebuchartig aus der Vergangenheit berichtet. Wie das alles zusammenhängt erfährt man erst irgendwann im letzten Drittel, aber auch danach bleibt es spannend.

Leider ist diese Rasanz auch das größte Problem des Buches und der Grund, weshalb ich nur drei Punkte gebe. Es driftet nämlich an sehr vielen Stellen ins Unglaubwürdige ab. Zum einen liegt das daran, dass man sich gar nicht an irgendwelche Personen gewöhnen sollte, denn es kommt schon mal vor, dass sie zwei Seiten später tot sind. Viele Drehungen und Wendungen wirken doch etwas an den Haaren herbeigezogen und ich fand das Ende leider auch völlig unglaubwürdig. Gut, es handelt sich natürlich um einen Verschwörungsthriller und das darf schon mal abgefahren sein, aber das so klischeehaft und stereotypisch benutzte Verhältnis von Gut vs. Böse lässt einen im Prinzip schon von Anfang an ahnen wo das hinführen wird, mal abgesehen von ein paar wirklich haaresträubenden Wendungen.

bewertung

Insgesamt habe ich mich gut unterhalten gefühlt und konnte das Buch schlecht weglegen. Spannung ist definitiv jede Menge vorhanden, aber die teils sehr konstruierten Wendungen und die unglaublich vielen Klischees haben mir doch das Vergnügen am Buch ein wenig getrübt.

Gute 3 Punkte

3 kühe

Vielen Dank an Blogg Dein Buch und dotbooks für das Rezensionsexemplar!

[Rezension] Ich und die Menschen – Matt Haig

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Titel: Ich und die Menschen

Autor: Matt Haig

Sprecher: Christoph Maria Herbst

Genre: Unterhaltungsroman

Format: Hörbuch, ca. 8,5 Stunden

Verlag: Der Hörverlag; März 2014

bei Audible

Inhalt

In einer regnerischen Nacht wird Andrew Martin, Professor für Mathematik in Cambridge, aufgegriffen, als er nackt eine Autobahn entlangwandert. Professor Martin ist nicht mehr er selbst. Ein Wesen mit überlegener Intelligenz und von einem weit entfernten Stern hat von ihm Besitz ergriffen. Und es ist nicht begeistert von seiner neuen Existenz. Es hat eine denkbar negative Meinung von den Menschen, jeder weiß schließlich, dass sie zu Egoismus, übermäßigem Ehrgeiz und Gewalttätigkeit neigen. Doch andererseits: Kann eine Lebensform, die Dinge wie Weißwein und Erdnussbutter erfunden hat, wirklich grundschlecht und böse sein? Und was sind das für seltsame Gefühle, die es überkommen, wenn es Debussy hört oder seiner vermeintlichen Frau Isobel in die Augen blickt?

meinung

Menschen? Abscheuliche Wesen!

Ein Außerirdischer, dessen Name uns unbekannt und unbegreiflich ist, kommt auf die Erde und nimmt die Gestalt von Professor Andrew Martin an, weil dieser Mathematiker eine Entdeckung gemacht hat, die so ziemlich das ganze Universum vernichten würde – in den Händen der Menschen. Es ist nun seine Aufgabe, alle aufzuspüren und zu vernichten, die schon von diesem Geheimnis erfahren haben. Klingt nach einem Horrorbuch? Ist es nicht, es ist ein Buch über uns, die Menschen, und es hat es geschafft, dass ich am Ende sogar ein kleines Tränchen verdrücken musste.

Besonders hässlich sind die Nasen

Dieses Buch ist eine seltsame Mischung aus wissenschaftlichem Kram, jeder Menge Ironie und Humor, aber auch unendlich vielen Dingen, die einen zum Nachdenken anregen. Der Außerirdische betrachtet unsere Welt, unser Denken und unser Handeln aus seiner Perspektive, völlig naiv und nur so wie es eigentlich ein Außenstehender tun kann, nämlich mit Neugier und Verwunderung zugleich. Warum gehen wir fünf Tage die Woche den selben Abläufen nach und amüsieren uns nur zwei, wovon einer schon wieder dazu dient, uns wegen dem Start der neuen Woche zu bemitleiden? Warum stoßen besonders unsere Nasen bei Außerirdischen auf Abneigung und warum eigentlich sind wir so eine fürchterlich gewalttätige und kriegerische Spezies, obwohl wir doch ständig davon reden es nicht zu sein? Matt Haig hält der Menschheit den Spiegel vor, erzählt von Außenseitern, der Liebe, unseren kruden Vorstellungen vom Leben und allem anderen, was die Menschheit ausmacht. Das passiert mit so viel Witz und Charme, dass man an vielen Stellen einfach lachen muss, auch wenn es einem eigentlich gar nicht zum Lachen zumute sein sollte.

Eine berührende Geschichte

Aber es ist nicht nur so, dass diese ganzen naiven Analysen zum Nachdenken anregen, nein, auch die Geschichte an sich ist etwas, das niemanden kalt zurücklassen sollte. Ist der Außerirdische anfänglich noch darauf aus, ohne Rücksicht auf Verluste seine Aufgabe auszuführen, beschleichen ihn bald Zweifel, ob die Menschen wirklich so schlecht sind, wie er immer geglaubt hat und bald befindet er sich in einer Situation mit der er niemals gerechnet hätte. Diese Geschichte ist berührend und nimmt einen mit. Emotionen spielen eine unheimlich große Rolle, es bleibt nicht aus, dass man mit den Protagonisten mitfühlen kann oder sie so gut versteht, weil man sich schon mal so ähnlich gefühlt hat. Es gilt einen Denkanstoß nach dem anderen zu verkraften und zu verdauen. Und dann kommen am Schluss die Weisheiten des Außerirdischen, die er seinem „Ziehsohn“ Gulliver mit auf den Weg gibt und die aus seinen Erfahrungen mit den Menschen entstanden sind – es sind verdammt viele und sie schlagen ein wie Granaten, das muss man erstmal verdauen.

Ein begnadetes Alien

Dass Christoph Maria Herbst als Sprecher dieses Hörbuches nochmal eine Schippe dazu beiträgt, dass es so toll, lustig, aber auch nachdenklich geworden ist, das bedarf wohl keiner Erklärung. Der Mann ist das perfekte Alien, das die Menschen begutachtet, ich habe ihm jedes Wort in seiner Rolle abgenommen.

bewertung

Was für ein Buch. Anfangs habe ich nicht damit gerechnet, dass es mich noch so mitnehmen und begeistern würde, da auch der Mittelteil etwas durchhängt was die Qualität betrifft. Dennoch gibt es einfach so viele berührende und irrwitzige Elemente in diesem Buch, dass ich darüber locker hinweg sehen kann und sehr angetan bin. Absolute Empfehlung.

5 Punkte

5 Kühe

[Rezension] Die Begabte – Trudi Canavan

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Titel: Die Begabte

Reihe: Die Magie der tausend Welten #1

Autorin: Trudi Canavan

Genre: Fantasy

Format: Hardcover, 672 Seiten

Verlag: Penhaligon; November 2014

Preis: 19.99 €

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Inhalt

Der junge Archäologe Tyen entdeckt ein magisches Buch, in dem seit vielen Jahrhunderten das Bewusstsein einer Frau gefangen ist: Pergama war einst eine talentierte Buchbinderin, bis ein mächtiger Magier sie mit einem Zauber belegte und dazu verfluchte, für alle Zeit das Wissen der Welt in sich aufzunehmen. Und so weiß Pergama, dass Tyens Heimat und allen, die ihm am Herzen liegen, eine schreckliche Katastrophe droht. Allerdings kann sie Tyen nur helfen, wenn es ihm gelingt, den Fluch des Buches zu brechen. Und tatsächlich hat Tyen keinen dringlicheren Wunsch, als Pergama zu befreien – der längst seine Liebe gehört.

meinung

Ein sprechendes Buch?!

Trudi Canavan ist bekannt dafür, den Leser in magische Welten zu entführen und daher kommt es mir nicht seltsam vor, dass wir gleich auf den ersten Seiten mit einem sprechenden Buch konfrontiert werden. Der junge Archäologe Tyen findet das gute Stück – das ursprünglich mal eine Frau namens Pergama war – während einer Ausgrabung und ab da findet er sich nur noch in problematischen Situationen wieder. Die Vorstellung, dass das „Buch“ mal ein Mensch war und dementsprechend aus Haut, Haaren und ähnlichem besteht…ich könnte mir vorstellen, dass das den ein oder anderen zart besaiteten Leser etwas abstößt, aber wie Trudi Canavan die Idee mit dem sprechenden und denkendem Buch umgesetzt hat, ist einfach klasse und wahrscheinlich haben wir uns insgeheim alle schon mal gewünscht, so was zu besitzen.

Eine wahre Achterbahnfahrt

Der erste Band der neuen Trilogie hat zwei tragende Protagonisten, die jeweils in mehreren großen Abschnitten ihren Auftritt haben. Dass das eigentlich für viel Spannung und Abwechslung sorgt, auch wenn die Handlungen auf den ersten Blick überhaupt nicht zusammenpassen, verstehe ich vollkommen und es wäre auch der Fall, wenn Tyen und Rielle nicht so unglaublich unterschiedlich wären. Klar, die beiden Protagonisten leben in verschiedenen Welten und sind zwei grundverschiedene Charaktere, aber ich empfand Rielles Geschichte durchweg als viel langatmiger und sie als Person viel unsympathischer als Tyen. So ergab es sich für mich, dass ich Tyens spannende Abschnitte förmlich eingeatmet habe, nur um dann von Rielles Abschnitten einen Dämpfer zu kriegen und langsam in der Geschichte voran zu kriechen. Das ging sogar so weit, dass ich kurz ans Abbrechen gedacht habe, weil mich ihre Geschichte so gar nicht reizt. Ich hoffe, dass die Autorin im nächsten Teil noch ein paar spannendere Elemente in ihre Geschichte bringt, denn schließlich sollen die Handlungsstränge ja irgendwann mal zusammen laufen.

Interessanter Weise habe ich dazu viele unterschiedliche Meinungen gehört. Einige sehen das genau so wie ich und anderen ist Tyens Teil der Geschichte negativ im Gedächtnis geblieben. Daran erkennt man, wie grundsätzlich verschieden die beiden Geschichten sind und welche Lesergruppen sie wohl mehr ansprechen!

Einfach magisch

Die größte Stärke des Buches liegt ganz klar in der erschaffenen magischen Welt, auch wenn es eigentlich mehrere sind. Das Buch strotzt nur so vor fantastischer Atmosphäre und verliebten Details. Das alles macht es dem Leser sehr einfach, voll und ganz im Buch abzutauchen und sich in der magischen Welt des Buches zu verlieren. Oft ist es ja so, dass „neue“ Fantasy-Welten unheimlich kompliziert und verstrickt sind, ich fand aber, dass hier alles sehr logisch und verständlich aufgebaut ist, obwohl es einige Dinge gibt, über die ich gerne noch etwas mehr Hintergründe erfahren hätte. Aber es handelt sich ja auch um einen ersten Band, die beiden folgenden Bände haben da noch Luft nach oben.

bewertung

Im Großen und Ganzen hat mir der Auftakt gut gefallen, die Welt ist spannend und die Rahmenhandlung motiviert ganz klar zum Weiterlesen. Was mich aber enorm gestört hat, ist die – für meinen Geschmack – unterschiedliche Qualität der beiden Handlungsstränge, wobei mir Rielles Teil das Lesen teils wirklich vermiest hat. Ich hoffe, dass sich da noch etwas tut!

3 Punkte

3 kühe

Danke an RandomHouse / Penhaligon für das Rezensionsexemplar!