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[Rezension] Ich und die Menschen – Matt Haig

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Titel: Ich und die Menschen

Autor: Matt Haig

Sprecher: Christoph Maria Herbst

Genre: Unterhaltungsroman

Format: Hörbuch, ca. 8,5 Stunden

Verlag: Der Hörverlag; März 2014

bei Audible

Inhalt

In einer regnerischen Nacht wird Andrew Martin, Professor für Mathematik in Cambridge, aufgegriffen, als er nackt eine Autobahn entlangwandert. Professor Martin ist nicht mehr er selbst. Ein Wesen mit überlegener Intelligenz und von einem weit entfernten Stern hat von ihm Besitz ergriffen. Und es ist nicht begeistert von seiner neuen Existenz. Es hat eine denkbar negative Meinung von den Menschen, jeder weiß schließlich, dass sie zu Egoismus, übermäßigem Ehrgeiz und Gewalttätigkeit neigen. Doch andererseits: Kann eine Lebensform, die Dinge wie Weißwein und Erdnussbutter erfunden hat, wirklich grundschlecht und böse sein? Und was sind das für seltsame Gefühle, die es überkommen, wenn es Debussy hört oder seiner vermeintlichen Frau Isobel in die Augen blickt?

meinung

Menschen? Abscheuliche Wesen!

Ein Außerirdischer, dessen Name uns unbekannt und unbegreiflich ist, kommt auf die Erde und nimmt die Gestalt von Professor Andrew Martin an, weil dieser Mathematiker eine Entdeckung gemacht hat, die so ziemlich das ganze Universum vernichten würde – in den Händen der Menschen. Es ist nun seine Aufgabe, alle aufzuspüren und zu vernichten, die schon von diesem Geheimnis erfahren haben. Klingt nach einem Horrorbuch? Ist es nicht, es ist ein Buch über uns, die Menschen, und es hat es geschafft, dass ich am Ende sogar ein kleines Tränchen verdrücken musste.

Besonders hässlich sind die Nasen

Dieses Buch ist eine seltsame Mischung aus wissenschaftlichem Kram, jeder Menge Ironie und Humor, aber auch unendlich vielen Dingen, die einen zum Nachdenken anregen. Der Außerirdische betrachtet unsere Welt, unser Denken und unser Handeln aus seiner Perspektive, völlig naiv und nur so wie es eigentlich ein Außenstehender tun kann, nämlich mit Neugier und Verwunderung zugleich. Warum gehen wir fünf Tage die Woche den selben Abläufen nach und amüsieren uns nur zwei, wovon einer schon wieder dazu dient, uns wegen dem Start der neuen Woche zu bemitleiden? Warum stoßen besonders unsere Nasen bei Außerirdischen auf Abneigung und warum eigentlich sind wir so eine fürchterlich gewalttätige und kriegerische Spezies, obwohl wir doch ständig davon reden es nicht zu sein? Matt Haig hält der Menschheit den Spiegel vor, erzählt von Außenseitern, der Liebe, unseren kruden Vorstellungen vom Leben und allem anderen, was die Menschheit ausmacht. Das passiert mit so viel Witz und Charme, dass man an vielen Stellen einfach lachen muss, auch wenn es einem eigentlich gar nicht zum Lachen zumute sein sollte.

Eine berührende Geschichte

Aber es ist nicht nur so, dass diese ganzen naiven Analysen zum Nachdenken anregen, nein, auch die Geschichte an sich ist etwas, das niemanden kalt zurücklassen sollte. Ist der Außerirdische anfänglich noch darauf aus, ohne Rücksicht auf Verluste seine Aufgabe auszuführen, beschleichen ihn bald Zweifel, ob die Menschen wirklich so schlecht sind, wie er immer geglaubt hat und bald befindet er sich in einer Situation mit der er niemals gerechnet hätte. Diese Geschichte ist berührend und nimmt einen mit. Emotionen spielen eine unheimlich große Rolle, es bleibt nicht aus, dass man mit den Protagonisten mitfühlen kann oder sie so gut versteht, weil man sich schon mal so ähnlich gefühlt hat. Es gilt einen Denkanstoß nach dem anderen zu verkraften und zu verdauen. Und dann kommen am Schluss die Weisheiten des Außerirdischen, die er seinem „Ziehsohn“ Gulliver mit auf den Weg gibt und die aus seinen Erfahrungen mit den Menschen entstanden sind – es sind verdammt viele und sie schlagen ein wie Granaten, das muss man erstmal verdauen.

Ein begnadetes Alien

Dass Christoph Maria Herbst als Sprecher dieses Hörbuches nochmal eine Schippe dazu beiträgt, dass es so toll, lustig, aber auch nachdenklich geworden ist, das bedarf wohl keiner Erklärung. Der Mann ist das perfekte Alien, das die Menschen begutachtet, ich habe ihm jedes Wort in seiner Rolle abgenommen.

bewertung

Was für ein Buch. Anfangs habe ich nicht damit gerechnet, dass es mich noch so mitnehmen und begeistern würde, da auch der Mittelteil etwas durchhängt was die Qualität betrifft. Dennoch gibt es einfach so viele berührende und irrwitzige Elemente in diesem Buch, dass ich darüber locker hinweg sehen kann und sehr angetan bin. Absolute Empfehlung.

5 Punkte

5 Kühe

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[Rezension] Aquarius – Thomas Finn

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Titel: Aquarius

Autor: Thomas Finn

Genre: Thriller

Format: broschiert, 416 Seiten

Verlag: Piper; Oktober 2014

Preis: 16.99 €

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Inhalt

Legenden ranken sich um die grausamen Wesen, die unachtsame Männer mit ihrer Schönheit und ihrem Gesang ins Verderben locken. Außer den Berichten betrunkener und einsamer Seeleute gibt es aber keinerlei Beweise für die Existenz von Nixen. Einzig eine eingeschworene Gemeinschaft hütet seit Jahrhunderten ihr Geheimnis. Bis jetzt … Bei den Bergungsarbeiten an einer alten Seemine geschieht ein Unglück: Die Mine explodiert. Als Berufstaucher Jens Ahrens wieder zu Bewusstsein kommt, findet er sich in einem Keller wieder, gefangen mit anderen Männern, die unter Drogen gesetzt und so wehrlos gemacht wurden. Nur mit Mühe kann er sich befreien und flüchtet nach Egirsholm, eine kleine, wohlhabende Küstensiedlung. Diese aber wird zum Schauplatz rätselhafter Todesfälle. Menschen ertrinken – und das sogar auf der Landstraße oder in ihrem Haus! Etwas geht vor sich, in das Jens so schnell und tief hinab gesogen wird, dass er sich nicht mehr entziehen kann. Das Meer ist unruhig. Und es ist wütend.

meinung

Meerjungfrauen, so ein Quatsch! Das wird sich wohl auch Jens Ahrens gedacht haben, der Protagonist in diesem rasanten Mystery-Thriller, bis zu dem Punkt an dem er einer waschechten Meerjungfrau gegenüber steht. Das klingt ziemlich abgefahren und ist es auch, denn die Begegnung mit dem Fabelwesen ist nicht die Einzige und darüber sollte man sich im Klaren sein, bevor man sich dieses Buch zu Gemüte führt. Es handelt sich zwar schon um einen Thriller, aber eben auch mit einer gehörigen Prise Mystery bzw. Fantasy.

Zum Inhalt des Buches möchte ich gar nicht mehr erzählen, das haben schon meine Vorgänger übernommen und außerdem läuft man auch direkt Gefahr, etwas zu spoilern. Überraschende Wendungen gibt es nämlich in so ziemlich jedem Kapitel, was das Lesen zu einem sehr rasanten und nervenaufreibenden Erlebnis macht. Man befindet sich sehr schnell in dieser Spirale, die einen immer weiter in die Geschichte reinzieht und in der man das Buch nur sehr schwer aus den Händen legen kann. Den Schreibstil würde ich als locker und einfach beschreiben, was aber in keinem Fall schlecht ist, sondern nur dazu beiträgt, dass man die Geschichte schnell nacheinander weglesen kann. Die Spannung ist kontinuierlich auf einem hohen Niveau, die Kapitel enden nicht selten mit einem Cliffhänger.

Die Geschichte enthält jede Menge Elemente eines klassischen Thrillers. Da gibt es falsche Freunde, scheinbar ins Leere laufende Spuren und auch jede Menge Action. Auf der anderen Seite steht aber ein sehr starkes Fantasy-Element, was meiner Meinung nach diesem Buch einen besonderen Charme verleiht. So könnte man es fast als die perfekte Kombination für Thriller – und Fantasyfans bezeichnen. Mehr möchte ich aber auch dazu nicht schreiben, denn sonst würde ich viel zu viel verraten.

Die Charaktere sind ziemlich einfach gestrickt und bedienen sich auch in so mancher Klischeekiste, aber das empfand ich gar nicht als so störend. Denn sie kommen einem vor, als wären sie wirklich aus dem Leben gegriffen und könnten unsere unbekannten Nachbarn von nebenan sein. Das macht es relativ leicht, sich mit ihnen zu identifizieren und letztendlich auch mit ihnen mitzufiebern, mitzuleiden und so weiter. Schön fand ich auch, dass man die „Wandelbarkeit“ der Charaktere auf den ersten Blick gar nicht erkennen kann und man dann umso mehr überrascht ist, wenn sie ihr wahres Gesicht enthüllen. So viel also zum Thema Vorhersehbarkeit, diese bleibt in jederlei Hinsicht komplett aus.

bewertung

Mir hat das Lesen sehr viel Spaß gemacht und ich habe das Buch förmlich eingeatmet. Da ich sowohl großer Thriller als auch Fantasyfan bin, war dieses rasante Buch quasi die perfekte Mischung für mich. Ein wunderbares und auch gruseliges Buch, das einem einige spannende Lesestunden bereiten kann.

5 Punkte

5 Kühe

[Rezension] Der eiserne Sommer – Angelika Felenda

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Titel: Der eiserne Sommer

Autorin: Angelika Felenda

Reihe: Reitmeyer #1

Genre: Krimi

Format: broschiert, 435 Seiten

Verlag: Suhrkamp, August 2014

Preis: 14.99 €

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Inhalt

Juni 1914: Zwei Schüsse fallen in Sarajewo, und die Welt rückt an den Abgrund. Franz Ferdinand, der Thronfolger Österreich-Ungarns, ist tot. Zur gleichen Zeit steht Kommissär Reitmeyer in München vor einer schwierigen Entscheidung. Er hat es satt, die Marionette des Polizeipräsidenten zu sein. Die Leiche eines jungen Mannes führt ihn von den Arbeitervierteln bis in die Villen der Großbürger. Und in das berüchtigte Café Neptun, Vergnügungsort der Offiziere. Der Polizeipräsident drängt ihn, nicht noch tiefer zu schürfen, und gegen das Militär darf er per Gesetz nicht ermitteln. Da macht Reitmeyer eine ungeheuerliche Entdeckung, die nicht nur ihn selbst zum Abschuss freigibt, sondern die das ganze Land in den Untergang stürzen könnte.

meinung

Als großer Fan von Krimis und mit der Deutschen Geschichte als ein weiteres Hobby, lässt es mein Herz immer höher schlagen, wenn Autoren diese beiden – für mich unschlagbaren – Komponenten verbinden und mich mit einer spannenden Geschichte in die Zeit entführen, für die ich mich doch so interessiere. Angelika Felenda ist ein solider Kriminalroman gelungen, mit einer herrlichen Mischung aus Münchner Lokalkolorit und jeder Menge Charme des frühen 20. Jahrhunderts.

Gut, ob man beim Vorabend des Ersten Weltkrieges und einem skrupellosen Mörder aus Militärkreisen vom „Charme“ des 20. Jahrhunderts sprechen kann, das sei dahin gestellt, aber die Geschichte bietet eine unglaublich dichte und authentische Atmosphäre, sodass man als Leser schon nach kürzester Zeit abtaucht und sich auf eine spannende Zeitreise begibt. Der Krimi beginnt sehr gemächlich – auch wenn es gleich am Anfang einen Mord gibt – und entwickelt sich dann Stück für Stück zu einem großen Netz aus Verdächtigungen, Verschwörungen und jeder Menge Fragen. Mir persönlich gefällt es immer sehr gut, wenn ich als Leser völlig im Dunkeln bleibe und trotzdem jederzeit zum „selber Ermitteln“ und Nachdenken angeregt werde. Der Autorin ist das hier sehr gut gelungen und so bekommt man bis zum Schluss immer mal nur ein kleines Häppchen an neuen Informationen, die einen am Ende trotzdem in die Irre führen. Mir haben das ganze Ermitteln und die sich ergebenden Zusammenhänge sehr gefallen. Ich fand sie schlüssig und habe bis zur letzten Seite mitgefiebert, das macht für mich einen guten Krimi aus.

Der Spannungsbogen ist wie das gesamte Buch eher gemächlich, einen bis zum Zerreißen gespannten Thriller darf man nicht erwarten, aber dennoch fliegen die Seiten nur so dahin, denn man will ja wissen, was hier eigentlich los ist! Dazu tragen auch einige Tagebucheinträge und Notizen bei, die immer mal wieder eingestreut werden und neue Sichtweisen und Details enthüllen – sehr schön gemacht! Als kleine Hobby-Historikerin hat mich aber vor allem die authentische und dichte Atmosphäre begeistert, die Angelika Felenda zu erzeugen weiß. Man fühlt sich quasi, als wäre man mitten drin in diesen letzten Tagen vorm Ausbruch des Ersten Weltkrieges, als hätte man sich in eine Zeitmaschine gesetzt und wäre im Juli 1914 in München wieder raus gekommen. Selbst als nicht Ortskundige kannte ich viele Orte und Straßen, was mich gleich nur noch mehr in die Geschichte hinein gesaugt hat. Die Zeitgeschichte wird hier in einen sehr unterhaltsamen und spannenden Rahmen gepackt, sodass man quasi ohne es zu merken noch einiges über die Zeit und die Menschen lernen kann.

Herr Kommisär Reitmeyer ist für meinen Geschmack leider etwas blass geblieben. Man erfährt eigentlich fast nichts über ihn oder sein Leben, was ihn seltsam konstruiert wirken lässt und die Verbindung zu ihm auch unnötig erschwert. Die restlichen Charaktere warten nämlich zwar auch nur mit wenig Hintergründen auf, sind aber insgesamt irgendwie charismatischer und interessanter gezeichnet wie der Protagonist, was ich sehr schade finde. Ich hoffe wirklich, dass sich in den kommenden Bänden bzw. Fällen noch etwas bei ihm tut, denn das ist bisher mein einziger Kritikpunkt an einem sonst wirklich gelungenen Kriminalroman.

bewertung

Bis auf den blassen Protagonisten ist „Der eiserne Sommer“ ein wunderbar unterhaltsames Buch, das einen mit auf eine spannende und auch lehrreiche Zeitreise nimmt. Wer sich für Geschichte und Krimis begeistern kann, sollte unbedingt zugreifen.

5 Punkte

5 Kühe

[Rezension] Der Code – Fredrik T. Olsson

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Titel: Der Code

Autor: Fredrik T. Olsson

Genre: Thriller

Format: broschiert, 528 Seiten

Verlag: Piper; September 2014

Preis: 16.99 €

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Inhalt

Der entführte Kryptologe William Sandberg in Stockholm. Ein toter Obdachloser in Berlin. Und eine junge Wissenschaftlerin, die spurlos aus einem Amsterdamer Café verschwindet. Drei Opfer, drei scheinbar unabhängige Fälle – doch sie alle sind Puzzleteile eines Geheimnisses, das viel zu lange bewahrt worden ist. In Amsterdam fällt die junge Sumerologin Janine Haynes einem Verbrechen zum Opfer. Zur gleichen Zeit ermorden drei als Sanitäter getarnte Unbekannte in Berlin einen Obdachlosen. Und in Stockholm verschwindet der Kryptologe und Software-Experte William Sandberg spurlos aus seinem Klinikbett. Seine Ex-Frau Christiane will nicht an eine eigenmächtige Flucht glauben. Denn in seinem leer geräumten Appartement , entdeckt sie einen Gegenstand, den er nie zurücklassen würde. Sehr schnell gibt es keinen Zweifel mehr, dass William entführt wurde. Und dass es um die Entschlüsselung einer Botschaft geht, die in der DNA des Menschen verborgen liegt.

meinung

Nach zigtausend verschiedenen Verschwörungsthrillern geht man gerne mit einer gesunden Skepsis an den Nächsten heran, denn oft bringen sie einfach nur noch Enttäuschungen mit sich und keinerlei neue Ideen. Ob es dabei nun um Jesus geht oder um den Menschheit, Ausgefallenes ist Mangelware. Um so mehr hat mich „Der Code“ richtig positiv überrascht, weil ich auch hier nach dem Lesen des Klappentextes mich schon mal auf einen eher durchschnittlichen Thriller eingestellt habe, dann aber einen wirklich spannenden und gut erzählten Blockbuster-Anwärter bekommen habe. Da bietet es sich doch an, dass es auch eine Verfilmung geben wird!

Aber von vorne. „Der Code“ beginnt so ziemlich wie jeder andere Verschwörungsthriller, denn man wird als Leser in mehrere unterschiedliche Handlungsstränge mit unterschiedlichen Personen eingeführt, die am Anfang alle sehr mysteriöse Leben zu haben scheinen und nur ganz langsam erfährt man, um was es hier überhaupt geht. Lange Zeit – und das rechne ich dem Buch wirklich hoch an – habe ich gegrübelt, um was es sich bei der bald ausbrechenden Krankheit und dem dazugehörigen Code handeln könnte und wenn als Leser meine grauen Zellen gefordert werden, dann macht mir das richtig Spaß und bringt dem Buch dicke Pluspunkte. Zugegeben, die verschiedenen Handlungsstränge dienen natürlich lediglich zum Aufbauschen der Spannung und manch ein abruptes Kapitelende war dann auch öfter mal nervig anstatt spannend, aber darüber kann ich hinwegsehen, denn „Der Code“ löste schon nach wenigen Seiten einen wahren Sog aus und ich hatte Mühen das Buch zur Seite zu legen. Die Spannung steigt kontinuierlich von Seite zu Seite, fast jeden halben Absatz passiert irgendetwas was dem Leser Erkenntnis bringt oder die Handlung vorantreibt, Fredrik T. Olssons mitreißender Schreibstil trägt dazu außerdem bei.

Das Verwirrspiel um den ominösen Code fand ich sehr gut gelungen, obwohl es an einigen Stellen dann doch mal etwas abgehoben und fast übernatürlich wurde. Wäre das noch einen Ticken mehr geworden, ich glaube, das Buch hätte mich nicht mehr so mitreißen können wie es es letztendlich getan hat. Eben gerade dieser schmale Grat zwischen Realität und Unglaublichem hat mir nämlich so gut gefallen und wenn dieser mehr in Richtung Aliens und Co. abgetriftet wäre, es hätte mich enttäuscht. Das Ende und die generelle Auflösung all der Rätsel war im Verhältnis zur aufgebauten Spannung dann mehr so „ok“ anstatt absolut überwältigend, aber da ist die Geschichte auch ein wenig selbst dran schuld, denn man entwickelt immer höhere und immer aberwitzigere Erwartungen an die Auflösung, je weiter man im Buch voranschreitet.

Die Charaktere stehen nach und nach allesamt in einem Zusammenhang, der sich natürlich am Anfang noch nicht offenbart. Ich denke, man muss es wirklich mögen, dass man verschiedene Stränge mit verschiedenen Charakteren aus verschiedenen Blickwinkeln hat, denn obwohl es natürlich der Spannung zuträglich ist, kommen dabei die vielen Persönlichkeiten an sich einfach oft zu kurz und man kann sich nicht so in sie einfühlen wie man es vielleicht mit einem einzelnen Protagonisten tun könnte. Trotzdem die Charaktere leider ein wenig blass geblieben sind und fast Randerscheinungen darstellen, hat mich die rasante gute Handlung auch über diese Schwachstelle hinweg getröstet.

Zugegeben, „Der Code“ hat die ein oder andere Schwachstelle in Sachen Charakterzeichnung und übermäßigem Einsatz von Cliffhängern am Ende von Kapiteln, aber mir hat die Thematik, ihre Umsetzung und die enorm rasante Handlung so gut gefallen, dass mich das alles nicht weiter gestört hat. Noch während des Lesens habe ich gedacht, dass man das Buch super als Film umsetzen könnte und dann stand da auch schon auf der letzten Seite, dass dies bereits in Planung ist. Super!

bewertung

Wer auf rasante spannende Thriller mit Verschwörungskomponenten steht, der sollte unbedingt einen Blick hier rein werfen!

5 Punkte

5 Kühe

[Rezension] Time Travel Inc. : Rewind – Laura Newman

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Titel: Time Travel Inc. : Rewind

Autorin: Laura Newman

Genre: Fantasy

Verlag: CreateSpace, September 2013

Format: eBook, 308 Seiten

Preis: 2.99 €

Inhalt

Zeitreisen sind möglich. Zumindest für Leana Whitman, die sich als erste Zeitreisende der Geschichte durch das Amerika der Zwanziger Jahre schlägt. Dabei muss sie nicht nur ihre eigentlichen Auftraggeber hintergehen, sondern sich auch lebensbedrohlichen Situationen und unerwarteten Begegnungen stellen. Während sie versucht ihre Mission erfolgreich abzuschließen, wird sie wider Willen Teil der Geschichte und lernt zu allem Überfluss auch noch den Mann ihres Lebens kennen. Wie ungünstig, dass dieser in ihrer Gegenwart bereits über 100 Jahre alt wäre. Zwischen Jazz, Flüsterkneipen und negativer Energie bahnt sie sich ihren Weg durch die Irrungen und Wirrungen der Zeit.

meinung

Zeitreiseromane! Hach! Die 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts! Hach! Allein schon dieser Kombination nach zu urteilen musste Laura Newmans Roman-Debüt quasi der absolute Knüller für mich werden und was soll ich sagen? Ich wurde absolut nicht enttäuscht!

Leana reist also in das New York der 20er Jahre zurück – als erste Zeitreisende überhaupt – um dem Auftrag nachzugehen, den sie von ihrem Professor erhalten hat. Was am Anfang völlig harmlos beginnt, entpuppt sich bald als chaotische und aufregende Reise quer durch das Amerika des vergangenen Jahrhunderts, wobei natürlich auch ein bisschen Herzschmerz nicht fehlen darf. An dieser Stelle möchte ich lieber gleich mal auf die Lovestory eingehen, denn wie Ihr vielleicht schon mitbekommen habt, sind kitschige, sich in den Vordergrund drängende, klischeehafte Romanzen absolut gar nicht mein Fall und ich glaube Ihr ahnt es schon, wenn Ihr das hier lest: ich verabscheue sie! Aber warum rege ich mich überhaupt auf? Schließlich hat die Autorin es geschafft eine Lovestory in dieses Buch einzubauen, die sich perfekt in das Gesamtbild einschmiegt und alles andere als nervig ist. Im Gegenteil, als jemand der nicht viel mit Romanzen in Büchern anfangen kann, muss ich ehrlich zugeben, dass mich diese hier wirklich berührt hat und ich sie einfach authentisch fand – auch wenn die Beteiligten wohl sowas wie einen 100 jährigen Altersunterschied haben! 😉

Aber zurück zur Story. Leana erlebt auf ihrer Reise quer durch Amerika nicht nur historische Ereignisse hautnah, sondern auch den Puls der Zeit und das Ganze geschieht auf eine so abenteuerliche und belustigende Art und Weise, dass man eigentlich aus dem Schmunzeln gar nicht mehr rauskommt. Schließlich ist es gar nicht so einfach, ohne Internet auszukommen oder den heißgeliebten Starbucks Kaffee von der Ecke! Laura Newman schafft es mit der gewissen Dosis Humor, historischen Fakten und den Schlag auf Schlag folgenden Ereignissen, eine unterhaltsame Mischung zu schaffen, die niemals langweilig wird und die nur so vor Atmosphäre strotzt. Ich persönlich fand es besonders toll, dass man am Rande des Abenteuers immer mal wieder noch etwas über die Geschichte der 20er Jahre lernt und es trägt einfach unheimlich zum positiven Gesamtpaket bei. Gerade das Gewusel und auch die Konflikte der Vereinigten Staaten in dieser Zeit werden besonders deutlich herausgestellt und verleihen einem das Gefühl, genau wie Leana direkt mittendrin statt nur dabei zu sein. Überhaupt hat man nie wirklich mal eine kurze Verschnaufpause, die Ereignisse folgen Schlag auf Schlag und auch das Ende hat mich – dafür, dass es eine Reihe wird – sehr zufrieden gestellt, was man leider selten bei Reihen hat.

Was die Charaktere anbelangt, so kann ich nur sagen, dass diese genau so unterhaltsam, abwechslungsreich und authentisch gestaltet sind, wie die gesamte Story. Man muss einfach jeden einzelnen von ihnen ins Herz schließen, ob man nun will oder nicht. Und irgendwie erinnert mich Leanas Professor unweigerlich an den schrulligen Professor Abronsius aus dem Tanz der Vampire – ob das nun Absicht war oder nicht, ich fand es toll! Wie schon erwähnt, trägt Leanas Wesen sehr viel dazu bei, dass sie sich von einem Chaos ins nächste manövriert und das hat natürlich hohen Unterhaltungswert. Sie erscheint mir wie eine typische junge Frau aus dem 21. Jahrhundert, wodurch man sich super mit ihr identifizieren kann. Besonders ihre Gedanken zu der ganzen „Kompliziertheit“ des 20. Jahrhunderts fand ich sehr unterhaltsam. Aber auch die Nebencharaktere und Leanas männlicher Gegenpart kommen nicht zu kurz an Humor, Chaos und liebevollen Eigenschaften. Wie oben schon erwähnt, man muss sie einfach gern haben und selbst die offensichtlichen „Bösen“ haben ihre sympathischen Seiten, wenn man mal näher hinsieht.

Insgesamt bin ich vom Auftakt der Time Travel Reihe wirklich angetan und kann sie nur jedem empfehlen, der ein Herz für Zeitreisen hat!

bewertungEin atmosphärischer, unterhaltsamer und spannender Zeitreiseroman, der an den richtigen Stellen mit Spannung und historischen Fakten spielt und sogar noch eine perfekt dosierte Romanze enthält. Für mich als Fan des Genres und der Epoche ein absolutes Lesevergnügen!

5 Punkte

5 Kühe