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[Rezension] Der eiserne Sommer – Angelika Felenda

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Titel: Der eiserne Sommer

Autorin: Angelika Felenda

Reihe: Reitmeyer #1

Genre: Krimi

Format: broschiert, 435 Seiten

Verlag: Suhrkamp, August 2014

Preis: 14.99 €

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Inhalt

Juni 1914: Zwei Schüsse fallen in Sarajewo, und die Welt rückt an den Abgrund. Franz Ferdinand, der Thronfolger Österreich-Ungarns, ist tot. Zur gleichen Zeit steht Kommissär Reitmeyer in München vor einer schwierigen Entscheidung. Er hat es satt, die Marionette des Polizeipräsidenten zu sein. Die Leiche eines jungen Mannes führt ihn von den Arbeitervierteln bis in die Villen der Großbürger. Und in das berüchtigte Café Neptun, Vergnügungsort der Offiziere. Der Polizeipräsident drängt ihn, nicht noch tiefer zu schürfen, und gegen das Militär darf er per Gesetz nicht ermitteln. Da macht Reitmeyer eine ungeheuerliche Entdeckung, die nicht nur ihn selbst zum Abschuss freigibt, sondern die das ganze Land in den Untergang stürzen könnte.

meinung

Als großer Fan von Krimis und mit der Deutschen Geschichte als ein weiteres Hobby, lässt es mein Herz immer höher schlagen, wenn Autoren diese beiden – für mich unschlagbaren – Komponenten verbinden und mich mit einer spannenden Geschichte in die Zeit entführen, für die ich mich doch so interessiere. Angelika Felenda ist ein solider Kriminalroman gelungen, mit einer herrlichen Mischung aus Münchner Lokalkolorit und jeder Menge Charme des frühen 20. Jahrhunderts.

Gut, ob man beim Vorabend des Ersten Weltkrieges und einem skrupellosen Mörder aus Militärkreisen vom „Charme“ des 20. Jahrhunderts sprechen kann, das sei dahin gestellt, aber die Geschichte bietet eine unglaublich dichte und authentische Atmosphäre, sodass man als Leser schon nach kürzester Zeit abtaucht und sich auf eine spannende Zeitreise begibt. Der Krimi beginnt sehr gemächlich – auch wenn es gleich am Anfang einen Mord gibt – und entwickelt sich dann Stück für Stück zu einem großen Netz aus Verdächtigungen, Verschwörungen und jeder Menge Fragen. Mir persönlich gefällt es immer sehr gut, wenn ich als Leser völlig im Dunkeln bleibe und trotzdem jederzeit zum „selber Ermitteln“ und Nachdenken angeregt werde. Der Autorin ist das hier sehr gut gelungen und so bekommt man bis zum Schluss immer mal nur ein kleines Häppchen an neuen Informationen, die einen am Ende trotzdem in die Irre führen. Mir haben das ganze Ermitteln und die sich ergebenden Zusammenhänge sehr gefallen. Ich fand sie schlüssig und habe bis zur letzten Seite mitgefiebert, das macht für mich einen guten Krimi aus.

Der Spannungsbogen ist wie das gesamte Buch eher gemächlich, einen bis zum Zerreißen gespannten Thriller darf man nicht erwarten, aber dennoch fliegen die Seiten nur so dahin, denn man will ja wissen, was hier eigentlich los ist! Dazu tragen auch einige Tagebucheinträge und Notizen bei, die immer mal wieder eingestreut werden und neue Sichtweisen und Details enthüllen – sehr schön gemacht! Als kleine Hobby-Historikerin hat mich aber vor allem die authentische und dichte Atmosphäre begeistert, die Angelika Felenda zu erzeugen weiß. Man fühlt sich quasi, als wäre man mitten drin in diesen letzten Tagen vorm Ausbruch des Ersten Weltkrieges, als hätte man sich in eine Zeitmaschine gesetzt und wäre im Juli 1914 in München wieder raus gekommen. Selbst als nicht Ortskundige kannte ich viele Orte und Straßen, was mich gleich nur noch mehr in die Geschichte hinein gesaugt hat. Die Zeitgeschichte wird hier in einen sehr unterhaltsamen und spannenden Rahmen gepackt, sodass man quasi ohne es zu merken noch einiges über die Zeit und die Menschen lernen kann.

Herr Kommisär Reitmeyer ist für meinen Geschmack leider etwas blass geblieben. Man erfährt eigentlich fast nichts über ihn oder sein Leben, was ihn seltsam konstruiert wirken lässt und die Verbindung zu ihm auch unnötig erschwert. Die restlichen Charaktere warten nämlich zwar auch nur mit wenig Hintergründen auf, sind aber insgesamt irgendwie charismatischer und interessanter gezeichnet wie der Protagonist, was ich sehr schade finde. Ich hoffe wirklich, dass sich in den kommenden Bänden bzw. Fällen noch etwas bei ihm tut, denn das ist bisher mein einziger Kritikpunkt an einem sonst wirklich gelungenen Kriminalroman.

bewertung

Bis auf den blassen Protagonisten ist „Der eiserne Sommer“ ein wunderbar unterhaltsames Buch, das einen mit auf eine spannende und auch lehrreiche Zeitreise nimmt. Wer sich für Geschichte und Krimis begeistern kann, sollte unbedingt zugreifen.

5 Punkte

5 Kühe

[Rezension] Mona Lisas dunkles Lächeln – Gerhard J. Rekel

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Titel: Mona Lisas dunkles Lächeln

Autoren: Gerhard J. Rekel, Dodo Kresse

Genre: Historischer Thriller

Verlag: Styria Premium, April 2014

Format: Hardcover, 208 Seiten

Preis: 19.99 €

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Inhalt

Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges lässt Hitler über 6000 geplünderte Kunstwerke in der Salzmine von Altaussee verstecken, um sie vor den Bomben der Alliierten zu schützen. Darunter Gemälde von Da Vinci, Rubens, Rembrandt und Vermeer. Nach einem 2004 veröffentlichten Bericht des britischen Geheimdienstes Special Operation Executive befindet sich sogar Leonardo da Vincis Mona Lisa; im Stollen. Am 19. März 1945 jedoch erteilt Hitler den Nero- Befehl: Es ist alles zu vernichten, was dem Feind nützt!; Der am Rande des Irrsinns agierende Gauleiter Eigruber bereitet akribisch die Sprengung der Saline vor und droht jedem mit sofortiger Exekution, der sich seinen Anweisungen widersetzt. Die mutige Kunsthistorikerin Anna und der verschrobene Bergwerksingenieur Fred versuchen mit allen Mitteln, die Wahnsinnstat zu verhindern. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

meinung

Geschichte spannend und nah an den tatsächlichen Geschehnissen zu vermitteln, ist kein leichtes Unterfangen und daher auch weniger etwas für die breite Masse. Große Blockbuster, die mit jeder Menge Action und Explosionen dem Stoff begegnen, sind da schon eher was. Aber dann gibt es da auch noch diese kleinen Juwelen, wie dieses Buch hier einer ist. Wer auch nur im Ansatz etwas mit historischen Erzählungen anfangen kann (und das beinhaltet bei Weitem nicht nur den x-ten Hebammen Titel!), der sollte jetzt hellhörig werden.

Auf den ca. 200 Seiten wird dem Leser ein spannendes, mitreißendes und authentisches Geschehen erzählt, wie es nur das Leben selbst schreiben kann. Diese Geschichte, oder besser gesagt der Rahmen, ist tatsächlich so passiert, selbst die wichtigsten handelnden Personen haben so existiert und zum großen Teil auch so gehandelt, nur einige wenige Charaktere entstammen der Feder der Autoren, um die Geschichte vorantreiben zu können. Die Spannung kommt daher auch zu einem großen Teil ganz einfach von dem Bewusstsein, dass sich diese Dinge so oder so ähnlich vor knapp 70 Jahren so zugetragen haben und das verleiht dem Buch eine ganz besondere Atmosphäre. Das Autorenduo hat es geschafft, den trockenen Fakten aus den Geschichtsbüchern Leben einzuhauchen, in dem sie dem Leser das vermitteln, was er unmöglich selber hätte mitkriegen können und ihn in die ausweglose, dramatische Situation von damals versetzen. Wenn man denkt, dass auf 200 Seiten ja nicht viel passieren kann, dann hat man sich zumindest hier gewaltig geschnitten, denn die Handlung ist mit einigen Wendungen und Überraschungen versehen, die den Spannungsbogen nur noch weiter in die Höhe treiben. Dank der Authentizität der Geschehnisse bekommt man während dem Lesen noch so einiges über ein besonders dunkles Kapitel der deutsch-österreichischen Geschichte vermittelt, um das sich so einige Mythen und Legenden ranken. Selbst an den Kinokassen ist dieser Stoff schon im Blockbusterformat angekommen, jedoch wurde dabei weitaus weniger detailgetreu und „am Stoff bleibend“ erzählt, wie es in diesem Buch der Fall ist. Deswegen würde ich auch immer noch sagen, dass man sich zumindest ein bisschen für Geschichte interessieren sollte, wenn man an diesem Buch Gefallen finden möchte.

Die fiktiven Protagonisten sind relativ blass, eine wirkliche Geschichte um sie oder auch eine emotionale Bindung bleibt leider aus, was aber wohl möglich auch einfach am Seitenumfang liegt. Mir scheint es jedoch, als hätten die beiden Autoren den Fokus auf die spannende Vermittlung der historischen Ereignisse gelegt und dabei dienen die fiktiven Charaktere ja nur dazu, die Rahmenhandlung voranzutreiben, deshalb konnte ich gut darüber hinweg schauen. Aber auch sie passen perfekt in diese sonst schon authentisch geschilderte, historische Welt und dadurch wird dem Ganzen doch eine etwas persönlichere Note verliehen und man wird als Leser quasi Mitten in die Geschehnisse hineingeworfen.

Als großer Geschichts-Enthusiast war dieses kleine aber feine Buch ein echtes Juwel. Man findet es leider selten, dass Geschichte so authentisch und mitreißend vermittelt wird, wie es hier der Fall war. Wer sich auch nur im Ansatz dafür interessiert, sollte unbedingt mal einen Blick riskieren.

bewertung

Ein spannender historischer Thriller, der die wahren Ereignisse mit einer Prise Fiktion anreichert und dadurch nur noch dramatischer und spannender werden lässt. Lediglich die fiktiven Charaktere vermissen ein wenig die „Seele“.

Gute 4 Punkte

4 Kühe