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[Rezension] Klammroth – Isa Grimm

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Titel: Klammroth

Autorin: Isa Grimm

Genre: Horror

Verlag: Bastei Lübbe; März 2014

Format: broschiert, 336 Seiten

Preis: 14.99 €

Inhalt

Seit Jahren ist der uralte Tunnel stillgelegt. Doch etwas geht um in den Tiefen des Berges. Kinderstimmen wispern im Dunkel, und etwas regt sich in den Schatten. Einst war Klammroth ein stiller Weinort am Fluss – bis eine Katastrophe die Idylle zerstörte. Dutzende Kinder starben bei einem verheerenden Unfall im Tunnel, viele weitere wurden entstellt. Nun, sechzehn Jahre später, kehrt eine der Überlebenden nach Klammroth zurück: Anais hat die Qualen des Feuers noch nicht überwunden, als ihr Vater sie zu sich ruft. Etwas Unerklärliches erscheint des Nachts vor den Fenstern. Gespenstisches geschieht – und jemand fordert neue Opfer. Der Tunnel hat Anais nicht vergessen …

meinung

 Ich kann es gar nicht in Worte fassen, wie sehr mich der Klappentext neugierig auf dieses Buch gemacht hat. Meine Leidenschaft gilt dem Horror und selten bekommt man in diesem Genre mal was von einer deutschsprachigen Autorin in die Hände, also war es quasi ein Must-Read. Was soll ich sagen? Bitte mehr davon!

Die unglaublich tolle bedrückende und immer beängstigender werdende Stimmung, die sich erfolgreich durch das ganze Buch zieht, bereitet einem schon nach nur ein paar wenigen Sätzen erste Gänsehaut. Genau so stelle ich mir den Einstieg in ein Horrorbuch vor. Der Prolog hat es wahrlich in sich und macht extrem neugierig auf das, was da kommen mag, auch wenn es einem schon einen Schauer über den Rücken laufen lässt. Feuer ist nun mal sowieso etwas, vor dem sich der Mensch schon seit Urzeiten fürchtet und nicht nur mit dieser Angst wird erfolgreich gespielt, sondern auch mit der vor dem, was man weder greifen noch verstehen kann. Aber erstmal zurück zur Atmosphäre, denn diese ist wirklich schauerlich. Man spürt quasi das drohende Unheil immer größer werden und das trägt einen ganz gewaltigen Teil dazu bei, dass selbst an den „harmlosen“ Stellen, ständig ein gewisses Gefühl des Unbehagens und der Angst über der Geschichte liegt, man kommt also gar nicht so wirklich aus dem Schaudern heraus, einfach genial für ein Horrorbuch.

Die Handlung ist verstrickt und enthält neben dem ungreifbar schwebenden Grauen auch einen ganzen Berg an Ähnlichkeit mit einem klassischen Psychothriller. Bis zum bitteren Ende hat man keinerlei Ahnung, wer – oder besser – was hinter all dem steckt und selbst wenn man mal einen Verdacht geschöpft hat, wird dieser im nächsten Moment wieder aufgehoben. Genau wie das Grauen, zieht sich die Spannung Stück für Stück durchs gesamte Buch und es gab nicht eine einzige Stelle, an der es mir langweilig wurde. Was wohl auch der Grund dafür ist, dass ich das Buch fast in einem Rutsch durchlesen musste, ich konnte es einfach nicht weglegen. „Psycho“ wird es übrigens auch an einigen anderen Stellen, wo man dann als Leser in Frage stellen darf, ob das denn wirklich alles so ist, wie es scheint oder ob man hier kontinuierlich hinters Licht geführt wird und das Gruseln vor dem Übersinnlichen wohl möglich doch menschlichen Ursprungs war. Es geht um Dunkelheit, um Feuer, um Dinge die man weder begreifen noch sehen kann, aber es geht genau so auch um menschliche Abgründe. Dabei hat die Geschichte einen kontinuierlichen Spannungsbogen und es dauert auch gar nicht lange, bis man richtig tief in den Geschehnissen drinnen ist. Logik und rationale Erklärungen dürfen in einem Horrorbuch schon mal fehlen, aber hier tun sie es nicht, was dem Ganzen nur noch mehr Authentizität und damit Gänsehaut-Garantie verleiht. Klammroth? Das könnte gut und gerne dein Nachbarort sein und das ist es, was einem die Härchen auf den Unterarmen kräuseln lässt.

Anais ist eine Protagonistin, mit der man sich erst anfreunden muss. Am Anfang erscheint sie tatsächlich ziemlich anstregend und unschlüssig, aber wenn man sich erst einmal auf ihre Art und ihr gesamtes Wesen eingelassen hat, dann fiebert man mit ihr mit und Möglichkeiten gibt es dazu weiß Gott genug. Sie ist es auch, die dem ganzen Buch dieses gewisse „Psycho“-Element verleiht, aber mehr dazu wäre wohl ein böser Spoiler. Letztendlich steht und fällt die gesamte Geschichte mit ihr und ich finde das Ende überaus gelungen, auch wenn man sicherlich darüber streiten kann. Was nun ihre seltsamen Eigenschaften oder teils auch unschlüssige Handlungen angeht, so konnte ich größtenteils einfach darüber hinwegsehen, denn die Geschichte hat einfach von Beginn an einen solchen Sog auf mich ausgewirkt, dass mir die Protagonistin bald egal wurde, ich wollte einfach nur noch wissen wie es weiter geht.

„Klammroth“ ist in meinen Augen ein wahrhaft gelungenes, deutsches Horrorbuch und ich hätte liebend gerne noch 300 Seiten mehr davon gelesen. Ein absoluter Tipp!

bewertungHat man nicht vor dem am meisten Angst, was man nicht begreifen kann? Gelungene Atmosphäre und vorantreibender Plot lassen hier keine Stelle unberührt von Gänsehaut, der berühmte „Muss-weiterlesen“-Sog stellt sich unglaublich schnell ein und überhaupt kann ich dieses Buch nur jedem Horror-Fan ans Herz legen. Einzig die Protagonistin trübt das Gesamtbild ein wenig.

Gute 4 Punkte

4 Kühe