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[Rezension] Als Gott schlief – Jennifer B. Wind

266864_0Titel: Als Gott schlief

Autorin: Jennifer B. Wind

Genre: Thriller

Verlag: dotbooks; Mai 2014

Format: eBook, ca. 403 Seiten

Preis: 6.99 €

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Inhalt

München und Wien: Eine Serie brutaler Morde an katholischen Geistlichen schockiert die Öffentlichkeit. Die Opfer werden auf grausame Weise gefoltert und getötet. Am Tatort werden mysteriöse Hinweise gefunden, die jedoch niemand entschlüsseln kann. Kriminalbeamtin Jutta Stern und ihr Partner Thomas Neumann stehen vor einem Rätsel. Was hat die Opfer verbunden? Was treibt den Mörder an? Bei ihren Ermittlungen stößt Jutta auf eine Mauer aus Angst und Schweigen – doch dann entdeckt sie eine Spur, die weit in die Vergangenheit zurückreicht.

meinung

Es ist wohl eines der brisantesten Themen die Deutschland in den letzten Jahren beschäftigt haben: Missbrauch in der Kirche. Jennifer B. Wind hat sich diesem Thema auf interessante und vor allem spannende Art und Weise genähert. Alles beginnt mit einem grausamen Mord an einem Geistlichen und bald darauf folgen weitere, die in Sachen Brutalität diesem in nichts nachstehen. Jutta Stern und ihr Partner werden auf den Länder-übergreifenden Fall angesetzt und stoßen sehr bald tief in einen abartigen Sumpf.

Wenn man das Buch lediglich auf seinen Thriller-Inhalt hin bewerten würde, so würde ich wahrscheinlich eine ziemlich durchwachsene Wertung abgeben. Der Spannungsbogen läuft ziemlich schnell von 0 auf 100 und bleibt auch ständig auf einem hohen Niveau, was mir sehr gut gefallen hat, denn so entwickelte ich recht schnell den „nur noch eine Seite“ – Drang und hatte das Buch erstaunlich schnell gelesen. Auf der anderen Seite ist die Geschichte leider ziemlich einfach gestrickt und an einigen Ecken absolut vorhersehbar, was mir das Lesevergnügen dann doch wieder etwas geschmälert hat. Spätestens nach 3/4 der Geschichte hat man einen Verdacht, wer hinter dem Ganzen stecken könnte und dieser hat sich dann letztendlich auch bewahrheitet. Und trotzdem hatte ich Spaß beim Lesen, denn obwohl die Handlung zum Teil so vorhersehbar ist, so ist sie einfach gut erzählt  und bietet solide Thriller-Unterhaltung. Es waren nicht viele Überraschungsmomente dabei und das Prinzip eigentlich wie in jedem durchschnittlichen Thriller auch, aber das muss eben auch nicht immer schlecht sein.

Für meinen Geschmack gibt es aber noch zwei weitere Kritikpunkte, die meinen Gesamteindruck geschmälert haben. Die Charaktere haben mir einiges abgefordert. Nicht, weil sie nervig oder kompliziert waren, im Gegenteil, sie waren einfach zu blass und nichtssagend. Frau Stern hat genau so wenig Eindruck hinterlassen wie Herr Neumann und da sie beide die tragenden Protagonisten sind, war das leider alles andere als erfreulich. Sie wirkten trotz Hintergrundgeschichte völlig austauschbar und teils zu klischeehaft überzogen. Die Nebencharaktere treten quasi gar nicht in den Vordergrund, was vor allem nach der Auflösung des Falls und den dahinter stehenden Motiven mir mehr so ein schulterzuckendes „Naja“ anstatt einem enthusiastischen „Toll“ entlockt hat. Nicht ganz so gravierend, aber dennoch manchmal störend fand ich den sehr einfachen Schreibstil, der mir teils einfach zu abgehackt vorkam. Andererseits lassen sich kurze und prägnante Sätze natürlich schneller lesen, wie elendig lange. Sehr schön fand ich die Abschnitte, in denen man einen Einblick in die Vergangenheit bekommt. Das Ganze wurde durch Tagebucheinträge dargestellt und nicht nur sehr authentisch sondern vor allem berührend verfasst.

Gerade eben durch diese Einträge, bekommt man einen unglaublich nahen und daher auch schockierenden Einblick in die Geschehnisse. Der Missbrauchsskandal in der Kirche ist ein heikles Thema, das sicherlich nicht jedem schmeckt und das man auch als Autor mit Samthandschuhen anfassen sollte. Ich finde aber, dass dies der Autorin sehr gut gelungen ist. Trotz dem natürlich die Schuldigen in all ihrer Grausamkeit vorgeführt werden, wird nicht mit dem Finger auf sie gezeigt und man bekommt auch zu spüren, dass auch sie selbst mit ihren Taten zu kämpfen haben. Ich fand diesen Grat zwischen Täter / Opfer gut umgesetzt, wobei man natürlich weitaus mehr Mitgefühl für diejenigen empfindet, die diesen entsetzlichen Taten ausgesetzt waren.

Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen, aber es gibt eben auch einige Kritikpunkte, die meinen Eindruck dann letztendlich etwas geschwächt haben.

bewertungEin solider Krimi mit heikler Thematik. Leider durch die Vorhersehbarkeit der Handlung und den blassen Charakteren doch nicht zu 100% überzeugend.

3 Punkte

3 kühe

Vielen Dank an dotbooks und Blogg Dein Buch für das Rezensionsexemplar!