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[Top Ten Thursday] #3 – 10 Bücher, deren Handlung in Deutschland spielt

Hallo Leute,

die Woche ist fast geschafft und der Donnerstag kommt wieder mit einer Top 10 Liste daher. 🙂 Heute mit einem Thema, das ich sehr schön finde, da ich gerne Bücher lese die in unserer schönen Heimat spielen! Ich habe mal versucht, mich hauptsächlich an Bücher zu halten, die ich schon rezensiert habe, dass ihr gleich mal nachgucken könnt, ob es euch nicht vielleicht zusagt. 😉

„10 Bücher, deren Handlung in Deutschland spielt“

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Thomas Finn’s „Aquarius“ spielt in Egirsholm, einem fiktiven verschlafenen Nest das sehr nach Ostfriesland klingt. Weiter geht’s mit „Noah“ von Sebastian Fitzek, dessen Handlung unter anderem in unserer Hauptstadt Berlin spielt und diese von einer nicht ganz so netten Seite zeigt. Eines meiner Highlights im letzten Jahr, „Der eiserne Sommer“ von Angelika Felenda, spielt im schönen München. Ganz in der Nähe spielt „Himmelfahrt“ von Richard Dübell, nämlich im – leicht nass gewordenen – Landshut. Irgendwo im Odenwald liegt Vielbrunn, dort spielt Brigitte Pons‘ Kriminalroman „Celeste bedeutet Himmelblau“.

So und dann kann ich euch aus meinen Regalen noch das ein oder andere Buch anbieten, das ebenfalls in München spielt und was ich euch ganz besonders anbieten kann, sind gefühlt 320472 Romane die in Berlin spielen!

Schon vor längerer Zeit habe ich von Rainer Löffler „Blutsommer“ gelesen, das bei Köln spielt. Außerdem nenne ich noch zwei Bücher mein Eigen, die das Schloss Neuschwanstein als Handlungsort haben und diverse fiktive Orte, bunt über die Deutschlandkarte verstreut kann ich auch noch anbieten. Da das aber alles den Rahmen sprengen würde, belasse ich es heute ausnahmsweise mal bei fünf Titeln. 🙂

[Rezension] Der Fall Moriarty – Anthony Horowitz

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Titel: Der Fall Moriarty – Eine Geschichte von Sherlock Holmes‘ großen Gegenspieler

Autor: Anthony Horowitz

Genre: Kriminalroman

Format: Hardcover, 341 Seiten

Verlag: Insel Verlag; Oktober 2014

Preis: 19.95 €

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Inhalt

Sherlock Holmes ist tot. Der berühmte Detektiv und sein genialer Gegenspieler Moriarty sind in den Abgrund des Reichenbachfalls gestürzt. Nur wenige Tage später trifft der Pinkerton-Detektiv Frederick Chase aus New York in Europa ein, denn Moriartys Ableben hat in Londons Unterwelt ein gefährliches Vakuum hinterlassen, das nur allzu schnell von einem neuen König des Verbrechens gefüllt wird: Ein mysteriöser Mann namens Devereux macht sich daran, Moriartys Platz einzunehmen und London in ein Chaos aus Mord und Totschlag zu stürzen. Unterstützt von Inspector Athelney Jones vom Scotland Yard, der die Ermittlungsmethoden des großen Sherlock Holmes verbissen studiert hat, verfolgt Frederick Chase die Spur dieses neuen kriminellen Genies. Ihre Jagd führt sie in die dunkelsten und gefährlichsten Winkel der englischen Hauptstadt, von den Docks bis in die Katakomben des Smithfield Meat Market, einem Mann entgegen, den alle fürchten, aber den kaum einer je gesehen hat.

meinung

Ist er es oder ist er es nicht? 

Diese Frage begleitet den geneigten Leser das ganze Buch. Ist der berühmte Gegenspieler von Sherlock Holmes nun in den Reichenbachfällen ums Leben gekommen oder hat er sich auf genau so listige Art und Weise verschwinden lassen, nur um jetzt stärker denn je wieder aufzutauchen?

Die Geschichte wird uns aus der Perspektive des jungen amerikanischen Pinkerton Agenten Frederick Chase geschildert, der in der Ich-Perspektive von seinen Erlebnissen berichtet. Alles beginnt dort, wo Sherlock Holmes und James Moriarty offenbar zu Tode gekommen sind, nämlich an den Reichenbachfällen in der Schweiz. Dort trifft er auf den Londoner Polizei-Inspektor Athelney Jones, der ähnliche Interessen verfolgt und sie tun sich zusammen um gemeinsam auf die Jagd nach einem frisch in England aufgetauchten Verbrecher-Genie namens „Devereux“ zu machen, der danach trachtet Moriartys offenbar frei gewordenen Platz einzunehmen.

Ich habe ein wenig gebraucht, bis ich mit der Geschichte warm geworden bin und ich muss zugeben, dass ich manches Mal dachte „Ja ganz nett, mehr aber auch nicht“. Glücklicher Weise gelingt Anthony Horowitz eine Überraschung, die mich so aus den Latschen gehauen hat, dass ich innerlich von meinen ursprünglich angepeilten 3 Sternen in Null Komma Nichts auf 4+ aufgewertet habe. Prinzipiell bekommt man es mit einem klassisch geschriebenen Kriminalroman zu tun, der wie schon „Das weiße Band“ sehr an die guten alten Sherlock Holmes Geschichten erinnert und nicht nur die Herzen von wahren Fans höher schlagen lässt. Man kann das schmutzige London und seine verbrecherischen Seiten förmlich spüren, wenn man in die Geschichte abtaucht und das Buch wartet auch mit netten kleinen Wendungen auf, die immer wieder zum Weiterlesen animieren. Mich hat die Geschichte gut unterhalten und ich habe sie auch gerne gelesen, aber trotzdem hat mir bis zu diesem speziellen Punkt das gewisse Etwas gefehlt. Was dann geschieht behalte ich für mich, dann das wäre ein massiver Spoiler und versaut das ganze Buch.

Die Charaktere wirken genau wie die Atmosphäre greifbar echt und authentisch. Wie oben schon erwähnt, hat man wirklich das Gefühl, sich in einem der originalen Sherlock Holmes Romane zu befinden. Es geht mitunter nicht gerade zimperlich zu, aber es gibt auch immer wieder Dinge die einen ganz klassisch zum Mitraten anregen. Auch vom Schreibstil her bleibt der Autor seinen Ambitionen treu, dem Leser ein waschechtes Sir Arthur Conan Doyle Erlebnis zu verschaffen.

bewertung

Mit der gekonnten Wendung kam am Ende die Prise, die mir zuvor gefehlt hat. Trotzdem ist das Buch wunderbar unterhaltsam, lässt sich gut lesen und bietet für jeden Fan klassischer Kriminalromane gute 350 Seiten spannende Unterhaltung. Und ob er es nun ist oder nicht, das gilt es am Ende selbst herauszufinden.

4 Punkte

4 Kühe

[Rezension] Der eiserne Sommer – Angelika Felenda

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Titel: Der eiserne Sommer

Autorin: Angelika Felenda

Reihe: Reitmeyer #1

Genre: Krimi

Format: broschiert, 435 Seiten

Verlag: Suhrkamp, August 2014

Preis: 14.99 €

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Inhalt

Juni 1914: Zwei Schüsse fallen in Sarajewo, und die Welt rückt an den Abgrund. Franz Ferdinand, der Thronfolger Österreich-Ungarns, ist tot. Zur gleichen Zeit steht Kommissär Reitmeyer in München vor einer schwierigen Entscheidung. Er hat es satt, die Marionette des Polizeipräsidenten zu sein. Die Leiche eines jungen Mannes führt ihn von den Arbeitervierteln bis in die Villen der Großbürger. Und in das berüchtigte Café Neptun, Vergnügungsort der Offiziere. Der Polizeipräsident drängt ihn, nicht noch tiefer zu schürfen, und gegen das Militär darf er per Gesetz nicht ermitteln. Da macht Reitmeyer eine ungeheuerliche Entdeckung, die nicht nur ihn selbst zum Abschuss freigibt, sondern die das ganze Land in den Untergang stürzen könnte.

meinung

Als großer Fan von Krimis und mit der Deutschen Geschichte als ein weiteres Hobby, lässt es mein Herz immer höher schlagen, wenn Autoren diese beiden – für mich unschlagbaren – Komponenten verbinden und mich mit einer spannenden Geschichte in die Zeit entführen, für die ich mich doch so interessiere. Angelika Felenda ist ein solider Kriminalroman gelungen, mit einer herrlichen Mischung aus Münchner Lokalkolorit und jeder Menge Charme des frühen 20. Jahrhunderts.

Gut, ob man beim Vorabend des Ersten Weltkrieges und einem skrupellosen Mörder aus Militärkreisen vom „Charme“ des 20. Jahrhunderts sprechen kann, das sei dahin gestellt, aber die Geschichte bietet eine unglaublich dichte und authentische Atmosphäre, sodass man als Leser schon nach kürzester Zeit abtaucht und sich auf eine spannende Zeitreise begibt. Der Krimi beginnt sehr gemächlich – auch wenn es gleich am Anfang einen Mord gibt – und entwickelt sich dann Stück für Stück zu einem großen Netz aus Verdächtigungen, Verschwörungen und jeder Menge Fragen. Mir persönlich gefällt es immer sehr gut, wenn ich als Leser völlig im Dunkeln bleibe und trotzdem jederzeit zum „selber Ermitteln“ und Nachdenken angeregt werde. Der Autorin ist das hier sehr gut gelungen und so bekommt man bis zum Schluss immer mal nur ein kleines Häppchen an neuen Informationen, die einen am Ende trotzdem in die Irre führen. Mir haben das ganze Ermitteln und die sich ergebenden Zusammenhänge sehr gefallen. Ich fand sie schlüssig und habe bis zur letzten Seite mitgefiebert, das macht für mich einen guten Krimi aus.

Der Spannungsbogen ist wie das gesamte Buch eher gemächlich, einen bis zum Zerreißen gespannten Thriller darf man nicht erwarten, aber dennoch fliegen die Seiten nur so dahin, denn man will ja wissen, was hier eigentlich los ist! Dazu tragen auch einige Tagebucheinträge und Notizen bei, die immer mal wieder eingestreut werden und neue Sichtweisen und Details enthüllen – sehr schön gemacht! Als kleine Hobby-Historikerin hat mich aber vor allem die authentische und dichte Atmosphäre begeistert, die Angelika Felenda zu erzeugen weiß. Man fühlt sich quasi, als wäre man mitten drin in diesen letzten Tagen vorm Ausbruch des Ersten Weltkrieges, als hätte man sich in eine Zeitmaschine gesetzt und wäre im Juli 1914 in München wieder raus gekommen. Selbst als nicht Ortskundige kannte ich viele Orte und Straßen, was mich gleich nur noch mehr in die Geschichte hinein gesaugt hat. Die Zeitgeschichte wird hier in einen sehr unterhaltsamen und spannenden Rahmen gepackt, sodass man quasi ohne es zu merken noch einiges über die Zeit und die Menschen lernen kann.

Herr Kommisär Reitmeyer ist für meinen Geschmack leider etwas blass geblieben. Man erfährt eigentlich fast nichts über ihn oder sein Leben, was ihn seltsam konstruiert wirken lässt und die Verbindung zu ihm auch unnötig erschwert. Die restlichen Charaktere warten nämlich zwar auch nur mit wenig Hintergründen auf, sind aber insgesamt irgendwie charismatischer und interessanter gezeichnet wie der Protagonist, was ich sehr schade finde. Ich hoffe wirklich, dass sich in den kommenden Bänden bzw. Fällen noch etwas bei ihm tut, denn das ist bisher mein einziger Kritikpunkt an einem sonst wirklich gelungenen Kriminalroman.

bewertung

Bis auf den blassen Protagonisten ist „Der eiserne Sommer“ ein wunderbar unterhaltsames Buch, das einen mit auf eine spannende und auch lehrreiche Zeitreise nimmt. Wer sich für Geschichte und Krimis begeistern kann, sollte unbedingt zugreifen.

5 Punkte

5 Kühe

[Rezension] Kolibri – Kati Hiekkapelto

Kolibri von Kati Hiekkapelto

Titel: Kolibri

Autorin: Kati Hiekkapelto

Genre: Krimi (Thriller)

Format: broschiert, 464 Seiten

Verlag: Heyne; September 2014

Preis: 14.99 €

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Inhalt

Kaum hat Anna Fekete ihre erste Stelle als Kriminalkommissarin angetreten, landet auch schon ein Mordfall auf ihrem Tisch: eine junge Frau, die beim Joggen im Wald auf grauenvolle Weise getötet wurde. Anna nimmt die Ermittlungen auf. Ihr zur Seite gestellt ist Esko Niemi, ein alter Haudegen, der seine junge Kollegin torpediert, wo er kann. Bis ein zweiter Mord geschieht und Esko klar wird, dass sie den Killer nur gemeinsam finden werden. Doch Anna ist bereits auf eigene Faust unterwegs.

meinung

Gerechnet habe ich mit einem weiteren 0815 Frauenmörder – Roman (was nicht schlecht sein muss) und bekommen habe ich einen eher durchwachsenen Kriminalroman, der zwar nicht das Frauenmörder-Klischee bedient, aber leider noch viel Luft nach oben hat.

Die Handlung rund um die junge Ermittlerin Anna Fekete beginnt wie so ziemlich in jedem nordischen Krimi, denn es wird eine brutal ermordete Frau gefunden. Anfangs tappen die Ermittler noch im Dunkeln, doch irgendwann scheint sich eine Verbindung zwischen den Opfern zu offenbaren. Das Wörtchen „irgendwann“ habe ich hier nicht umsonst gewählt, denn es vergeht wirklich eine halbe Ewigkeit bis der zweite Mord geschieht und in der Zwischenzeit wird man mit sehr ermüdenden privaten Krisen und einer nicht weniger ermüdenden Nebenstory unterhalten. Neben dem eigentlich „Jogging-Mörder“ Fall gibt es da nämlich noch die sehr dubiose Geschichte um die junge Bihar, die bis zum Schluss für meinen Geschmack völlig überflüssig bleibt und absolut null zur eigentlichen Geschichte beiträgt. Ich weiß nicht, ob die Autorin hierdurch eine Art bessere Bindung zu Anna herstellen wollte, denn Bihar und sie sind beide „Migranten“, aber so richtig dahinter gestiegen bin ich nicht, empfand die immer wieder eingestreute Handlung als nervtötend, weil sie die eigentliche Geschichte nur unnötig unterbrochen hat.

Der Krimi an sich ist leider nur Mittelmaß. Ein Thriller – so wie es auf dem Klappentext steht – ist es nicht, obwohl es zwar ein paar bestialische Morde gibt, aber der Rest ist einfach zu ermüdend und in die Länge gezogen, dass es mehr ein auf die Ermittlung konzentrierter Krimi ist, wie ein rasanter spannender Thriller. Das ist es dann leider auch, an was es dem Buch fehlt. Am Anfang wird man noch ganz gut mitgerissen, will wissen wie es weiter geht und entwickelt erste eigene Theorien, aber dann kommt diese so lange Pause bis zum zweiten Mord und auf dieser Durststrecke hatte ich dann schon mehrmals den Gedanken, das Buch lieber abzubrechen. Ich bin dran geblieben und habe dann in den weiteren beiden Dritteln noch ein paar gute Momente geschenkt bekommen, mehr aber auch leider nicht, auch das Ende fand ich sehr konstruiert und viel zu schnell herbei geführt. Hätte man hier in der Mitte ein bisschen an „Füllmaterial“ gespart und lieber die Hintergründe und das Ende besser ausgestaltet, es hätte dem Buch gut getan.

Anna Fekete als Protagonistin hat mich leider auch nicht sonderlich große Freudensprünge machen lassen. Die ständige Kabbelei mit ihrem Partner Esko und das fürchterliche (beidseitige) Klischee von Ausländer – und Fremdenfeindlicher ging mir schon nach der ersten Streiterei ganz gewaltig auf den Senkel. Nicht, dass ich die Thematik nicht für erwähnenswert halte, aber die Art und Weise wie sie umgesetzt wurde, hat mich einfach mehr genervt wie zum Nachdenken angeregt. Auch erfüllen Anna und ihre Kollegen so ziemlich jedes Klischee was die Charaktere in Kriminalromanen so zu erfüllen wissen. Der dauerhaft miesepetrige Partner mit Alkoholproblem, der nette Kollege mit den Eheproblemen und tieferen Absichten, die hübsche toughe Power-Kollegin – sie alle haben ihre Auftritte in diesem Buch. Trotz der Geschichte, die rundum um Anna gesponnen wird und von der man nach und nach ein paar Fetzen geliefert bekommt, bleibt sie unweigerlich blass und wenig sympathisch.

bewertung

„Kolibri“ hat für ein Debüt ein paar gute Ansätze, lässt sich aber in der Umsetzung noch viel Luft nach oben. Es gab mir einfach zu viele Klischees und Ungereimtheiten, sodass ich das Buch am Ende leider eher weniger gut bewerten muss. Unterhalten hat es mich nicht immer, aber immerhin manchmal.

Gute 2 Punkte

2 Kühe

[Rezension] Himmelfahrt – Richard Dübell

9783548284873_coverTitel: Himmelfahrt

Autor: Richard Dübell

Reihe: Peter Bernward #2

Genre: Krimi

Verlag: Ullstein; Juli 2014

Format: Taschenbuch, 384 Seiten

Preis: 9.99 €

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Inhalt

Kruzifix! Hauptkommissar Peter Bernward hat schlechte Laune: Ganz Landshut steht unter Wasser, und die Polizei ist im Dauereinsatz. Noch schlimmer ist aber, dass seine attraktive Kollegin Flora ihn mal wieder abserviert hat. Als dann auch noch die Leiche eines bekannten Bauunternehmers auftaucht, ist die Stimmung auf ihrem Tiefpunkt. Der Polizeichef greift durch und übergibt Flora den Fall. Aber das lässt ein Peter Bernward natürlich nicht auf sich sitzen. Er ermittelt auf eigene Faust und stößt auf einen alten Skandal, den so mancher Landshuter lieber vergessen hätte.

meinung

Landshut steht unter Wasser und das nicht zu knapp! Als wäre das nicht schon genug, muss sich Peter Bernward auch noch mit dem Mord an einem stadtbekannten Baulöwen herumschlagen und privat läuft es auch nicht sonderlich besser. Die Ausgangslage für Bernwards zweiten Fall ist also alles andere als heiter Sonnenschein. Ich denke es ist wichtig zu erwähnen, dass es schon einen Vorgänger gibt, denn es gibt einige Anspielungen und Handlungszusammenhänge die man mit Kenntnis des ersten Falles auf alle Fälle besser versteht. Mir hat diese Kenntnis jetzt gefehlt, aber insgesamt tut es dem aktuellen Fall keinen großen Abbruch, es geht mehr oder weniger um das Private wo man dann doch besser mitkommt.

Jedenfalls steht Kommissar Bernward das Wasser bis zum Hals und das kann man durchaus wörtlich nehmen. Die Rahmenbedingungen für den undurchsichtigen Mordfall bildet nämlich eine ziemlich heftige Flutkatastrophe, die sich rundherum um Landshut aufbaut und das schöne Städtchen selber schon harsch in der Zange hat. Am Anfang habe ich mir gedacht, dass es sicherlich nur ein nettes Detail ist das zur Atmosphäre beiträgt, aber die Flut spielt tatsächlich im ganzen Buch irgendwie eine mehr oder weniger bedeutende Rolle und das hat mir letztendlich sogar noch besser gefallen. Die Eigenheiten und alles was die Stadt Landshut ausmacht kommen sehr schön zur Geltung und man muss auch kein Einwohner sein um sich mit dem Lokalkolorit anfreunden zu können und unterhalten zu fühlen. Für mich als kleiner heimlicher Fan des bayerischen Bundeslandes ist die Ansiedlung in Landshut natürlich noch mal ein kleiner Pluspunkt.

Aber um was geht es eigentlich, wenn nicht gerade das Wasser bis zum Hals steht? Alles deutet eigentlich auf einen recht durchschnittlichen Mordfall hin, so durchschnittlich wie ein Mord eben ist. Allerdings stellt sich dank Bernwards Ermittlungsarbeit – die er mehr oder weniger gereizt alleine oder mit seiner Verflossenen erledigt – sehr schnell heraus, dass hinter diesem kleinen Mord eine viel größere Sache steckt, die auch noch auf etwas zurückgeht das in der Vergangenheit in Landshut für Wirbel gesorgt haben muss. Richard Dübell hat mit seinem zweiten Bernward Fall einen fast schon klassischen, gut durchdachten „Whodunit“ Roman erschaffen, wo man als Leser ständig auf der Suche nach dem Täter ist und man vom Autor aber auch gekonnt hinters Licht und um falsche Ecken geführt wird. Gegen Ende wird das Ganze dann doch schon etwas klarer, aber der Showdown verliert keineswegs an Spannung. Überhaupt ist Spannung ein großes Thema im gesamten Buch. Der Bogen geht kontinuierlich nach oben und es gab nicht eine Seite, die ich irgendwie als Lückenfüller oder Knick im Spannungsbogen empfunden haben.

Peter Bernward als der maßgebenede Protagonist ist ein sehr angenehmer Zeitgenosse, der dank seiner Art ein bisschen wie der Nachbar von nebenan wirkt und mit dem man sich dadurch recht gut identifizieren kann. Gut, sein Privatleben ist vielleicht nicht gerade das, was der Nachbar nebenan führt, aber das macht ihn nur noch mehr sympathisch und die ganzen skurrilen Geschichten lockern den ganzen Krimi immer mal wieder humorvoll auf. Da ist zum einen sein schrulliger Vater Daniel und dann ist da natürlich Flora, die mal seine Partnerin war und das nicht nur im beruflichen Sinne. Dieses ganze Chaos zieht sich durch’s gesamte Buch und hier merkt man deutlich, ob man den ersten Band gelesen hat oder nicht, denn die Entwicklungen und Verstrickungen des (ehemaligen) Paares kommen dann mehr oder weniger spannend rüber. Aber insgesamt wirken alle Charaktere sehr stimmig und glaubwürdig, sie erfüllen auch das ein oder andere Krimiklischee, aber darüber konnte ich sehr leicht hinweg schauen denn es stimmt einfach das Gesamtbild.

Der Krimi ist wirklich solide und bietet gut gemachte Unterhaltung, sodass man auch gerne miträtselt und immer wieder wissen will wie es weitergeht. Die ganz großen Überraschungen konnte er aber nicht bieten.

bewertungEin spannender, handwerklich guter Krimi mit viel lokalem, bayerischen Charme und liebenswürdigen Charakteren. Die Geschichte an sich wirkt ein wenig austauschbar, aber dennoch fühlt man sich sehr gut unterhalten.

Gute 4 Punkte

4 Kühe

Vielen Dank an den Ullstein Verlag und Blogg Dein Buch für das Rezensionsexemplar!