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[Rezension] Der Sandmann – Lars Kepler

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Titel: Der Sandmann

Autor: Lars Kepler

Genre: Thriller

Verlag: Bastei Lübbe; Februar 2014

Format: Hardcover, 576 Seiten

Preis: 19.99 €

Inhalt

Jurek Walter sitzt seit Jahren in Isolationshaft. Niemand darf ohne Aufsicht seine Zelle betreten. Dem Serienmörder wird zugetraut, auch hinter Gittern noch schreckliches Unheil anzurichten. Als eines seiner letzten Opfer plötzlich lebendig wieder auftaucht, steht für Kommissar Joona Linna fest, dass der Mörder einen Komplizen haben muss. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt: Die Schwester des geretteten Mannes war damals auch verschwunden – und ist womöglich noch am Leben! Um ihren Aufenthaltsort zu erfahren, bittet Joona seine Kollegin Saga Bauer, sich in die Psychiatrie einweisen zu lassen. Jemand muss das Vertrauen des Serienmörders gewinnen ..

meinung

Nachdem ich diesen fast 600 starken Nervenkitzel nun gelesen habe, bin ich mir wirklich unschlüssig was ich letztendlich davon halten soll. Am Anfang habe ich mich schwer getan in das Buch hineinzufinden, was vielleicht daran liegen mag, dass es Teil einer Reihe ist und ich keinerlei Ahnung vom direkten Vorgänger hatte, aber vielleicht lag es auch am etwas sperrigen Schreibstil. Nachdem ich diese kleine Hürde genommen hatte, konnten meine Finger gar nicht schnell genug umblättern, so spannend war es geworden. Es steigerte sich bis zu dem Punkt an dem Saga in die Psychiatrie eingeschleust wird und ihre ersten Erlebnisse dort hat, dann ging es rapide bergab. War ich anfänglich noch von der Idee und auch der sich stetig aufbauenden Spannung begeistert, so fand ich es am Ende einfach nur langweilig, vorhersehbar und für meinen Geschmack hätte die Geschichte dann auch schon 100 Seiten eher aufhören können. Das ist wirklich schade, denn ich fand einiges an dem Buch wirklich gut.

Da wäre zum einen diese herrlich kühle und bedrohliche Atmosphäre, die sich glücklicher Weise durchs gesamte Buch zieht. Immer wieder hat man das Gefühl, dass hinter der nächsten Ecke – oder der nächsten Seite – eine neue Wendung lauern könnte, die einen noch mehr an den Nägeln kauen lässt. Psychothriller sollen ja nicht umsonst so heißen und ich denke doch, dass „Der Sandmann“ dieses Prädikat eindeutig verdient hat. Allein die Handlung in der Psychiatrie – zumindest bis zu einem gewissen Punkt – erinnert mich so herrlich an Doctor Lector aus Hannibal, der so einige Ähnlichkeit mit Jurek Walter hat, und das ist nur eines von vielen kleinen Dingen in den Details und der Atmosphäre, die einem eine angenehme Gänsehaut beim Lesen bescheren. So wünsche ich mir das für einen Thriller. Dann wäre da natürlich auch der stetige Spannungsaufbau und der bleibt eigentlich auch bis zum Ende erhalten, leider hat sich für mich der Eindruck ergeben, dass die Handlung an manchen Stellen etwas in die Länge gezogen war. Spannend fand ich es deshalb dann auch nur bis zu einem gewissen Grad, das Ende wirkte für mich dann hinausgezögert und absolut vorhersehbar, vielleicht hätte man es einfach bei diesem gewissen Einschnitt belassen sollen.

Was die Sprache und den Schreibstil angeht, so hatte ich auch damit meine Probleme am Anfang warm zu werden. Allerdings scheint dieser leicht abgehackte, sehr kühle und emotionslose Ton einfach eine nordische Eigenart zu sein und das muss man einfach lieben. Bei mir dauert das immer ein bisschen, bis ich warm damit werde, danach kann ich normaler Weise meine Finger nicht mehr von den nordischen Thrillern lassen. Schwierig ist es sicherlich, das Buch ohne Kenntnis der Reihe zu lesen, so wie ich es getan habe. Anscheinend scheint es an den direkten Vorgänger anzuknüpfen, was einen als Neuling natürlich nicht auffällt und dabei wohl auch einiges an Verständnis und Informationen verloren geht. Das trägt dann auch dazu bei, dass man den Hauptcharakter Joona kaum versteht oder nachvollziehen kann, weshalb er so handelt wie er handelt. Wichtiger Tipp also: die Reihe am besten von Anfang an lesen!

bewertung

Ein kühler, spannender Thriller aus dem hohen Norden, der ein wahres Auf – und Ab der Gefühle darstellt, weil er mich zum einen begeistern und fesseln konnte, zum anderen aber mit ein paar Hürden und auch ein wenig Langeweile gequält hat. Eine Bewertung war daher nicht ganz leicht, aber da ich auch fairer Weise sagen muss, dass ich die Vorgänger nicht kenne, was man aber absolut sollte, gebe ich ein knappes Gut – des Psychos im Thriller sei dank.

4 Punkte

4 Kühe

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