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[Sachbuch] Auf Befehl des Führers – Birgit Schwarz

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Titel: Auf Befehl des Führers – Hitler und der NS-Kunstraub

Autorin: Birgit Schwarz

Themengebiet: Nationalsozialismus

Format: Hardcover, 315 Seiten

Verlag: Theiss; August 2014

Preis: 29.95€

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Sachbuch_Inhalt

Kunstraub war ein Kernstück der Kulturpolitik Hitlers. Mit dem »Anschluss« Österreichs 1938 räumte sich der kunstbesessene Diktator das Recht ein, über jedes hochrangige Kunstwerk, das beschlagnahmt wurde, persönlich zu verfügen. Die Beute stammte aus jüdischen Privatsammlungen wie aus kirchlichem und staatlichem Besitz in den annektierten Ländern. Sie sollte auf die Museen des Großdeutschen Reiches, insbesondere in den neuen Ostgebieten, verteilt werden. Mit der Durchführung des Programms betraute Hitler den Direktor der Dresdner Gemäldegalerie Hans Posse. Was Hitler und Posse als »Geheimsache« behandelten, wird in diesem Buch erstmals aufgedeckt: Der NS-Kunstraub war von Hitler zentral gelenkt.

Sachbuch_Meinung

Was es überhaupt mit dem NS-Kunstraub auf sich hat

Der Kunstraub durch das nationalsozialistische Regime war vor allem im letzten Jahr so oft wie nie zuvor in den Medien gewesen. Jeder hat davon gehört, aber keiner weiß so richtig um was es überhaupt geht. Birgit Schwarz nähert sich dem Thema auf eine wenig überraschende Art und Weise, nämlich dadurch, dass sie Hitler als zentrale Person ins Zentrum stellt und von dort aus die Hintergründe des Kunstraubes aufarbeitet. Das hat bei mir zu dem Eindruck geführt, dass sich das Buch nicht entscheiden kann ob es Fisch oder Fleisch sein will – oder in diesem Fall: ob Buch über Hitler oder Buch über NS-Kunstraub. Beide Teile für sich sind unheimlich interessant und bilden gegenseitige Grundlagen, aber so richtig konnte mich das Konzept nicht überzeugen, weil mir dann die jeweilige Seite einfach zu kurz gekommen ist.

Hitler als Zentrum des Kunstraubes

Die ersten Kapitel befassen sich mit Adolf Hitlers künstlerischen Ambitionen, seinen Geschmäckern und Vorstellungen, insbesondere was das „Führermuseum“ in Linz betrifft, seinen Plänen und Aktionen. Man bekommt einen sehr interessanten Einblick in diese Facetten seiner Biographie und auch wiederum Einblicke in sein Wesen. Insgesamt gesehen ist dieser Teil aber recht kurz und der Titel hat mich eigentlich darauf schließen lassen, dass genau solche Sachen eigentlich das Hauptthema des Buches sein würden. Die Abschnitte sind voller Informationen und Quellen, Kopien von Dokumenten und auch Abbildungen von erwähnten Gemälden haben bei mir einen sehr guten Eindruck hinterlassen.

Der NS-Kunstraub in Europa

Daraufhin folgt dann der zweite, weitaus größere Teil des Buches, der in akribischen Kapiteln schildert, in wie weit die besetzten Länder in Europa, die jüdischen Sammler, usw. von den Enteignungen betroffen waren und was mit den Gemälden geschehen sollte bzw. geschehen ist. Hier findet die Rolle Hitlers nur immer mal wieder am Rande Erwähnung. Aber auch diesem Teil kann man auf keinen Fall schlechte Recherche oder lieblose Gestaltung vorwerfen, denn man erfährt sehr viele Hintergründe und Zusammenhänge über das Kunstraub-Vorhaben und kann dadurch auch zum Beispiel die Geschehnisse im Fall Gurlitt viel besser einordnen.

Sachbuch_Fazit

Wohl oder übel bin ich an das Buch mit falschen Erwartungen herangegangen. Sicherlich muss man die Vorgänge in Sachen Kunstraub verstehen um Hitlers Rolle darin einordnen zu können, aber der Titel lässt doch eher darauf schließen, dass es hier um ihn geht und nicht um den Kunstraub an sich. Das Buch ist in keinem Fall schlecht und hat mich mit sehr vielen interessanten Informationen versorgt, ich habe schlichtweg etwas anderes erwartet. Wer aber ein aufschlussreiches Buch über den NS-Kunstraub sucht, der wird hiermit sehr gut bedient sein.

Vielen Dank an Literaturtest und den Theiss Verlag für das Rezensionsexemplar!

[Sachbuch] Zwei Millionen ham’ma erledigt – Johannes Sachslehner

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Titel: Zwei Millionen ham’ma erledigt – Odilo Globocnik: Hitlers Manager des Todes

Autor: Johannes Sachslehner

Themengebiet: Nationalsozialismus

Format: Hardcover, 386 Seiten

Verlag: Styria Premium, Oktober 2014

Preis: 24.99 €

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Sachbuch_Inhalt

SS-Brigadeführer Odilo Globocnik ist ­Manager: Manager des Todes. Seine Geschäfte sind der millionenfache Massenmord und der Raub jüdischen Eigentums. Reichsführer-SS Heinrich Himmler protegiert den ehrgeizigen Kärntner und bewundert seine Energie, Joseph Goebbels fasziniert seine barbarische Methode , Hitler lässt den fanatischen Antisemiten wohlwollend gewähren: Odilo Globocnik, ab November 1939 SS- und Polizeiführer im Distrikt Lublin, entwickelt fantastische Pläne zur Verdeutschung des eroberten Landes. Sein monströser Vorschlag zur physischen Vernichtung der polnischen Juden durch Giftgas findet im Herbst 1941 rasch die Zustimmung Berlins, ab dem März 1942 rollen die Todeszüge in die neu errichteten Vernichtungslager Belzec, Sobibór und Treblinka. Mit der von Globocnik geleiteten Aktion Reinhardt erreicht der industrielle Massenmord eine bisher noch nie da gewesene Dimension, bis zum September 1943 sterben allein in den Gaskammern etwa 1,5 Millionen Menschen. Globus , wie er von seinen Freunden genannt wird, kennt keine Rücksicht und keine Reue. Zwei Millionen ham ma erledigt , wird Globocnik im Mai 1945 mit zynischer Brutalität feststellen, er selbst mit dem Regime untergehen

Sachbuch_Meinung

Präzise erarbeitet, brutal geschildert

Bisher bin ich einmal mit Johannes Sachslehner als Autor in Kontakt gekommen und war sehr begeistert davon, wie er sein Sachbuch modern und zugänglich gestaltet hat. Für mich war er bis dato überhaupt kein Begriff, aber nachdem ich jetzt ein zweites Buch aus seiner Feder gelesen habe, kann ich ihn definitiv zu den kompetentesten Sachbuchautoren auf dem Gebiet Nationalsozialismus, insbesondere was Österreich betrifft, zählen.

Sachslehner befasst sich auf knapp 400 Seiten mit dem Phänomen Odilo Globocnik, über den trotz seiner enorm einflussreichen und wichtigen Rolle im Dritten Reich scheinbar überaus wenig bekannt zu sein scheint. Von Kindesbeinen und ersten „Gehversuchen“ in der nationalsozialistischen Hierarchie bishin zu perfiden Plänen zur Vernichtung der Juden bekommt man ganz präzise aber eben auch mit aller Brutalität und Härte das Leben und Wesen dieses Mannes näher gebracht.

Aufschlussreich und ansprechend präsentiert

Eine gute Biographie besteht für mich nicht nur aus einem reinen „Lebenslauf“, sondern auch aus Abschnitten, die mich näher in Sachverhalte einführen, die nur indirekt mit der Person zu tun haben, aber trotzdem für das Verständnis unerlässlich sind. So bekomme ich in diesem Buch enorm viele Hintergrundinformationen, die einfach sein müssen um das Große und Ganze – die Person Globocnik – verstehen zu können. Immer wieder gibt es Dokumentabschriften, Berichte, Fotos, Zitate und noch einiges mehr, was dem Leser ein sehr authentisches Bild vermittelt – man fühlt sich nach dem Lesen wirklich mehr als umfassend informiert.

Objektiv und Anspruchsvoll

Eine Biographie sollte nach meinem Geschmack möglichst objektiv und ohne Vorurteile geschrieben sein, auch wenn es sich bei der behandelten Person um einen Massenmörder handelt. Johannes Sachslehner driftet nie, wie manch einer seiner Kollegen, in unhaltbare Behauptungen oder krude Beleidigungsphrasen ab, sondern bleibt stets objektiv und auf einem hohen wissenschaftlichen Niveau, wobei so ziemlich alles mit Belegen und Quellen teils mehrfach abgesichert ist.

Sachbuch_Fazit

„Zwei Millionen ham’ma erledigt“ ist in erster Linie eine perfekt recherchierte und präsentierte Biographie über Odilo Globocnik, sie bietet aber auch Unmengen an Einblicken in das Dritte Reich und Hintergrundwissen zum Holocaust, seinen Beteiligten und den Abläufen. Diese Biographie ist eine umfassende Aufarbeitung der österreichischen „Beteiligung“ in der NS Zeit und bietet daher insgesamt weit mehr als nur leblose Daten und Fakten über ein Leben.

Vielen Dank an Literaturtest und den Styria Verlag für das Rezensionsexemplar!