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[Rezension] Berlin Requiem – Peter Huth

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Titel: Berlin Requiem

Autor: Peter Huth

Genre: Horror

Verlag: Heyne; April 2014

Format: eBook, ca. 336 Seiten

Preis: 9.99 €

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Inhalt

Berlin im Hier und Jetzt: Ein rätselhafter Virus ist ausgebrochen. Die Infizierten fallen zunächst in ein Koma und erwachen dann wieder – regiert vom rasenden Instinkt, alles und jeden zu töten. Erste Medienberichte verunsichern die Bevölkerung: Angeblich sind nur Mitbürger mit Migrationshintergrund betroffen, Kreuzberg und Neukölln gelten als kontaminiert. In einer Blitzaktion wird eine Mauer um das betroffene Gebiet errichtet, Innensenator Sentheim verhängt den Ausnahmezustand. In diesen dunklen Stunden erhält der investigative Journalist Robert Truhs einen politisch hochbrisanten Hinweis, der die noch bestehende Ordnung endgültig kippen könnte …

meinungWie oft ich mich schon mit Zombies herumgeschlagen habe, das lässt sich bestimmt nicht mal mehr an zwei Händen abzählen, allerdings hatte ich es bisher noch nie mit deutschen Zombies zu tun. Und mit Zombies, die eine äußerst brisante politische Krise auslösen schon gleich gar nicht. Das Amerikanische Zombie-Schema ist ja doch immer recht gleich, bei Peter Huth läuft es aber alles etwas anders.

Natürlich fängt es damit an, dass irgendwo in Berlin ein Virus ausbricht und gewisse Teile unter Quarantäne gestellt werden. Das Brisante an der recht standardisierten Ausgangslage ist aber, dass es sich bei den Infizierten scheinbar nur um Menschen mit Migrationshintergrund handelt und dementsprechend Stadtteile wie Neukölln komplett mit einer Mauer abgeriegelt sind. Allein das bringt schon genügend Spannung und Konfliktpotential in das Buch, zumal wir es auch gleich am Anfang mit skrupellosen Politikern zu tun bekommen, die nichts anderes als ihr Image und Macht im Sinne haben. Da stellt sich sehr schnell die Frage, wer hier eigentlich das Böse verkörpert, die schlurfenden Zombies oder die schleimigen Funktionäre und Politiker? Das Szenario, das Peter Huth entworfen hat, kam mir sehr realistisch vor. Selbstverständlich fehlt natürlich die typische Zombieaction nicht, so fließt zum Beispiel reihenweise Blut und es wird geflüchtet und gekämpft, aber das macht nun mal ein Zombiebuch aus und das möchte ich auch nicht wissen. Dank des medialen und politischen Konfliktpotentials kommt aber nochmal eine ganz andere Spannung in das Buch, die mich persönlich weitaus mehr mitgerissen hat, wie die Action in den „verseuchten“ Gebieten. Der Leser darf sich bald fragen, wie er reagieren würde, auf welcher Seite er stehen würde und das Schlimmste ist eigentlich, dass man im Verhalten der Politiker, Medienmänner und Co. einige Parallelen zum Hier und Jetzt erkennt.

Dieses Grundgerüst hat mir an dem Buch wirklich sehr gut gefallen. Was meine Begeisterung aber letztendlich geschmälert hat, das waren die Charaktere. Ich fand ausnahmslos alle an einigen Stellen leider sehr blass und emotionslos, eine Verbindung konnte ich zu keinem aufbauen und das lässt einen dann natürlich auch nicht mitfühlen, wenn es mal ernst wird. Dadurch geht leider eine ganze Menge an Atmosphäre flöten, was ich sehr bedauert habe. Man merkt, dass sich der Autor deutlich auf das brisante Thema mit dem „Türkengen“ konzentriert und dabei ein paar Feinheiten an den Charakteren weggelassen hat. Im Großen und Ganzen ist das Buch aber enorm fesselnd und man gewöhnt sich irgendwann an die leicht hölzern wirkenden Protagonisten. Der Spannungsbogen bleibt konstant auf einem hohen Level und man kann an keiner Stelle so richtig vorhersehen, was auf der nächsten Seite passieren wird. Neben einem besonders leicht und flüssig zu lesenden Stil, fliegen die Seiten daher nur so dahin. Das Ende fand ich persönlich etwas an den Haaren herbeigezogen und unpassend, aber da gehen die Meinungen sehr weit auseinander. Vielleicht ist es auch so gewollt, dass man fleißig darüber diskutieren kann!

bewertungEin außergewöhnlicher Zombieroman, der ausnahmsweise mal nicht von einem englischsprachigen Autor stammt und dementsprechend das deutsche Setting sehr atmosphärisch herüber bringt. Außerdem hebt sich das Buch dank des brisanten Themas, das bedrohlich über allem schwebt, positiv von Genre-Kollegen ab. Einzig die blassen, unnahbaren Charaktere schmälern den überwiegend positiven Eindruck.

Gute 3 Sterne

3 kühe