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[Rezension] Der Ruf des Kuckucks – Robert Galbraith

Der Ruf des Kuckucks von Robert Galbraith

Titel: Der Ruf des Kuckucks

Autor: Robert Galbraith

Genre: Kriminalroman

Verlag: Blanvalet, 1. Auflage November 2013

Format: Hardcover, 640 Seiten

Preis: 22.99 €

Inhalt

Nach dem Selbstmord seiner berühmten Schwester Lula Landry bricht für den unscheinbaren Anwalt John Bristow eine Welt zusammen. Die Ermittlungsarbeiten der Polizei sind schnell abgeschlossen und keiner hegt Zweifel daran, dass sich Lula selbst aus dem Fenster ihrer Luxuswohnung gestürzt hat, außer ihr Bruder. Und so beauftragt er Cormoran Strike, einen abgehalfterten Privatdetektiv, den Tod seiner Schwester noch einmal frisch aufzurollen. Cormoran hat zwar genügend eigene Probleme, aber die gewaltige Auftragssumme könnte zumindest das Problem einer klammen Kasse lösen und so beginnt er zu ermitteln, ohne zu ahnen, in welches Wespennest aus Geldgier, Neid und Hass er da gestochen hat.

meinung

Nachdem ich das Buch zugeschlagen habe, habe ich mal versucht mich zu erinnern, wann ich das letzte Mal einen wirklich klassischen Detektiv bzw. Kriminalroman dieser Sorte gelesen hatte. Mir ist bis jetzt nicht ein einziger Titel eingefallen. Das offene Geheimnis, das hinter dem Namen Robert Galbraith eine Autorin steht, die mich mit ihren magischen Büchern durch meine Jugend begleitet hat, hat mich natürlich doch mit einigen Erwartungen an das Buch herangehen lassen. Joanne K. Rowlings ersten „Roman für Erwachsene“ habe ich ziemlich entnervt abgebrochen, weil er mich so gar nicht packen konnte. Mit ihrem zweiten Versuch, hat sie mich aber doch wieder eingefangen.

Wer in diesem über 600 Seiten starken Buch rasante Action, viel Blut und reihenweise Spannung erwartet, der wird wohl enttäuscht werden. „Der Ruf des Kuckucks“ ist ein klassischer, äußerst gemütlicher Kriminalroman, der den etwas verschrobenen Protagonisten und seine sympathische Sekretärin kapitellange Ermittlungsarbeit durchführen, seitenweise Gespräche führen und den Leser selber die Frage nach dem „Wer war es?“ anstellen lässt. Das ist nicht jedermanns Geschmack und ich bevorzuge ja eigentlich auch mehr das Thriller-Genre, aber der Charme und die schiere Klassik haben mich total von sich eingenommen, so dass ich teils zähe Stellen gerne hingenommen habe, um nun endlich herauszufinden, ob es nun Mord oder Selbstmord war.

Wie gesagt, die Handlung besteht größtenteils daraus, dass Strike oder seine Assistentin irgendwo herumlaufen, Gespräche führen und am Ende ihre Ergebnisse austauschen. Ab und zu bekommt man mal noch etwas von Strikes völlig zerstörtem Privatleben mit, was wohl dazu dienen soll, ihn sympathischer werden zu lassen, aber im Großen und Ganzen passiert nicht viel mehr. Einige Stellen waren zugegebener Maßen ganz schön zäh und fast schon zu sehr aufgeblasen, während anderes wieder zu kurz kam oder wo ich mir mehr Informationen bzw. Details gewünscht hätte. Und trotzdem steigt der Spannungsbogen bis zum Ende stetig an, um dem Leser dann eventuell ein „Ha, ich habe es gewusst!“ oder ein „Nein, ernsthaft?“ zu entlocken. 😉

Das Wichtigste in einem Buch sind auch immer wieder die Protagonisten und ich muss es ehrlich zugeben, ich bin nicht wirklich ein Fan von Strike geworden. Aber vielleicht soll das auch gar nicht so sein. Er ist ein mürrischer, seltsamer Typ. So einer, wie man sie in den dunklen Bierkneipen um die Ecke sitzen und starren sieht. Die Geschichte, die hinter ihm steht, ist außergewöhnlich aber interessant und macht ihn zu einem sehr undurchsichtigen Zeitgenossen. Seine Gabe als scharfsinniger Ermittler kann man jedoch nicht leugnen. Am Ende verbindet mich fast so etwas wie eine Hass-Liebe mit ihm und ich würde fast wetten, dass das Rowlings Absicht war. Denn wer mag schon glatte, über-perfekte Charaktere? Das gibt dem Buch einfach einen gewissen Charme. Die anderen Charaktere, außer vielleicht Strikes Assistentin Robin, bleiben allerdings wirklich nur Nebenfiguren. Man erfährt wenig über sie, fast gar nichts, und die Beziehungen untereinander sind auch nicht immer so leicht zu überblicken.

Ich war am Ende erstaunt, wie schnell ich diesen dicken Roman gelesen hatte und wie sehr mir doch die sonst so zähe „Ermittlungsarbeit“ Spaß bereitet hat. Wenn es einen weiteren Fall für Cormoran Strike geben würde, ich denke, ich würde ihn kaufen!

bewertung

Vielleicht seit 5 Jahren mal wieder ein ganz klassischer Detektivroman, der mich von vorne bis hinten fesseln konnte und bei dem ich gerne mitgeraten habe, trotz kleiner Längen und einem etwas gewöhnungsbedürftigen Protagonisten.

5 Punkte

5 Kühe

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