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[Rezension] Passagier 23 – Sebastian Fitzek

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Titel: Passagier 23

Autor: Sebastian Fitzek

Sprecher: Simon Jäger

Genre: Thriller

Format: Hörbuch, ca. 10 Stunden

Verlag: Droemer; November 2014

bei Audible

Inhalt

Martin Schwartz, Polizeipsychologe, hat vor fünf Jahren Frau und Sohn verloren. Es passierte während eines Urlaubs auf dem Kreuzfahrtschiff Sultan of the Seas – niemand konnte ihm sagen, was genau geschah. Martin ist seither ein psychisches Wrack und betäubt sich mit Himmelfahrtskommandos als verdeckter Ermittler. Mitten in einem Einsatz bekommt er den Anruf einer seltsamen alten Dame, die sich als Thrillerautorin bezeichnet: Er müsse unbedingt an Bord der Sultan kommen, es gebe Beweise dafür, was seiner Familie zugestoßen ist. Nie wieder wollte Martin den Fuß auf ein Schiff setzen – und doch folgt er dem Hinweis und erfährt, dass ein vor Wochen auf der Sultan verschwundenes Mädchen wieder aufgetaucht ist. Mit dem Teddy seines Sohnes im Arm…

meinung

Seit einigen Jahren zähle ich Sebastian Fitzek nun zu meinen absoluten Lieblingsautoren, inklusive dem Bedürfnis, jedes seiner Bücher möglichst bald vorzubestellen, um es dann am Erscheinungstag in den Händen zu halten oder eben – wie in diesem Fall – zu hören. Die Erwartungen waren groß, denn irgendwie sind sie das bei diesem Autor immer. Das Ergebnis sitzt mir immer noch herbe in den Knochen, denn ich bin alles andere als begeistert! Als im Internet die ersten Verrisse kursierten, dachte ich mir noch, dass das ja alles gar nicht so schlimm sein kann, aber mit jeder gehörten Minute musste ich schweren Herzens leider immer mehr diesen weniger schmeichelhaften Bewertungen zustimmen.

Wie gewohnt und wie geliebt, geht „Passagier 23“ sehr rasant, sehr brutal und sehr überraschend los. Man weiß erstmal gar nicht was los ist, wird schockiert und gefesselt, um dann möglichst schnell den Rest des Buches förmlich zu inhalieren. Dieses Phänomen ist auch nicht ausgeblieben und ich würde ja schon behaupten, dass an einigen Stellen durchaus Spannung vorhanden war, aber kurz und knapp lässt sich die Geschichte wohl mit den Worten „einfach zu viel des Guten“ zusammenfassen. Es ist ungelogen, hinter jedem zweiten Absatz kommt irgendeine Wendung, die das verrückte, nahezu unglaubwürdige Geschehen von vorher nochmal toppt und den Hörer bzw. Leser nicht selten sprachlos mit offenem Mund dort sitzen lässt. Normalerweise wissen mir Herrn Fitzeks Bücher gerade deswegen so gut zu gefallen, aber bei „Passagier 23“ übertreibt er es einfach an allen Ecken und Enden, was das Buch leider völlig ins Unglaubwürdige und fast Abstruse abgleiten lässt, ja sogar die „krassen“ Wendungen kann man schon vorhersehen, weil sie tief aus der Klischeekiste geholt worden. Man sitzt dann tatsächlich dort und die Spannung ist völlig flöten gegangen, weil man sich nur noch fragt, welche waghalsige und an den Haaren herbeigezerrte Wendung denn jetzt wohl als nächstes kommen mag. Die Auflösung des gesamten Verwirrspiels ist dann auch nicht so wirklich eine Auflösung, sondern es kommen noch ein paar mehr Fallstricke dazu und dann ist es ganz und gar aus.

Ich bin enorm enttäuscht von der Geschichte, denn ein paar gute und spannende Ansätze sind definitiv da, aber Herr Fitzek hat einfach viel zu viel gewollt oder hab ich was verpasst und er wollte einen ironischen Thriller schreiben, der sich durch seine Art selbst auf die Schippe nimmt? Naja, das einzig Gute ist, dass ich das Buch als Hörbuch zu mir genommen habe und Simon Jäger zählt nun mal zu den absoluten Top-Sprechern. Besonders putzig fand ich ja seine Imitation des österreichischen Dialekts und überhaupt ist seine Leistung einfach top, man fühlt sich wie im Film (auch wenn es ein seltsamer Film ist).

Mehr will ich zu dem Buch gar nicht schreiben. Als eingefleischter Fan sitzt die Enttäuschung wie ein fieser Stachel noch immer sehr tief und auch wenn ich es nur schweren Herzens mache, aber eine Empfehlung kann ich leider nicht aussprechen.

bewertungPunkt Nummer 1 geht an Simon Jäger, der seine Sache wunderbar macht. Punkt Nummer 2 vergebe ich, weil es halt doch ein paar gute Ansätze gab, das Buch aber trotzdem völlig überzogen und unglaubwürdig war.

2 Punkte

2 Kühe

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[Rezension] Noah – Sebastian Fitzek

noahTitel: Noah

Autor: Sebastian Fitzek

Genre: Thriller

Verlag: Bastei Lübbe; Dezember 2013

Format: Hardcover, 560 Seiten

Preis: 19.99 €

Inhalt

Ein Mann erwacht in Berlin. Er kennt seinen Namen nicht, weiss nicht wo er ist oder wie er überhaupt hier hergekommen ist, hat eine Schusswunde in der Schulter und er ist obdachlos. Nur eine Tätowierung auf seinem Handballen – Noah – und sein schrulliger Retter Oscar sind seine Anhaltspunkte. Währenddessen breitet sich auf der Welt eine tödliche Krankheit aus, die vor allem in den armen Regionen wütet. Noah und Oscar kommen auf ihrer Suche nach seiner Vergangenheit einem gigantischen Geheimnis auf die Schliche, das gleichzeitig Noahs Schlüssel zu sich selbst zu sein scheint.

meinung

Seit einigen Jahren bin ich großer Fan von Sebastian Fitzek und habe bisher nahezu jedes seiner Bücher mit Begeisterung gelesen. „Noah“ sollte so ganz anders werden wie alles was er bisher geschrieben hat, mit einem ganz anderen Setting und erstmals auch „globalen Ausmaßes“. Selten habe ich einem Buch mehr entgegengefiebert, war aber gleichzeitig auch skeptisch, ob das etwas werden würde.

Das Buch beginnt nicht wie typischer Weise in Berlin, sondern startet gleich am anderen Ende der Welt und dem anderen Ende der Gesellschaft. Der Plot um die junge Frau Alicia, ihre beiden Söhne und ihren Bruder Marlon wirft den Leser nicht nur mitten hinein ins Elend, sondern auch in die Geschehnisse rund um die Manilagrippe, die im gesamten Buch eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt. Immer wieder werden ihre grauenhafte Erlebnisse zwischen den „eigentlichen“ Plot geschoben und das schreibe ich bewusst so, denn mich persönlich hat dieser eher ziellose Nebenstrang ein paar Nerven gekostet. Natürlich lässt sich dadurch ein viel plastischerer Eindruck des Elends und auch die durchaus offensichtliche Botschaft des Buches fest machen, aber die Unterbrechungen fand ich teilweise überzogen und unnötig.

Und trotzdem ist der neue Fitzek wieder ein Pageturner. Das berühmte „nur noch eine Seite“ – Syndrom hat sich bei mir schon nach kürzester Zeit eingestellt und schon bald flogen die Seiten nur noch so dahin. Aber es ist Vorsicht geboten. Dem Autor selbst liegt es am Herzen, dieses Buch nicht in einer Nacht zu verschlingen, sondern trotz aller Spannung bewusst zu lesen. Könnte eine subtile Anspielung auf den Inhalt sein, ist aber definitiv eine berechtigte Warnung.

„Noah“ ist angsteinflößender wie es ein Psychothriller jemals sein könnte. Die Grenzen von Realität und Fiktion sind so unglaublich hauchdünn, dass es einem selbst mehrere Tage nach dem Lesen noch kalt den Rücken runterläuft, wenn man darüber nachdenkt. Natürlich soll es ein unterhaltendes Buch sein, und das ist es auch, aber es behandelt eine Thematik die uns alle angeht, uns alle betrifft und uns allen wirklich Angst machen sollte. Dabei erhebt Fitzek nicht mahnend den Zeigefinger, sondern er bringt uns das menschliche Grauen anhand der verzwickten Figuren und Ereignisse bei. Denn eines beherrscht er wie kein Zweiter: atemlose Spannung aufzubauen.

Noah und Oscar hetzten durch ein gewaltsames, skrupelloses Abenteuer, immer auf der Suche nach der Wahrheit über Noah und dessen Rolle in der globalen Katastrophe. Über Noah selbst bekommt man, logischer Weise, nur wenig zu erfahren, wobei sich aber der Schleier nach und nach lüftet. Oscar hingegen sorgt mit seiner Vorliebe für Verschwörungstheorien und seiner schrulligen Art immer wieder für erheiternde Momente in der ganzen, grauenhaften Story.

Das Buch steuert ohne Umschweife auf einen gigantischen Höhepunkt zu, der dann aber leider gar nicht so bombastisch ausgefallen ist, wie man sich das in seinem Entgegenfiebern vielleicht vorgestellt hat. Trotzdem ist es eine durchweg durchdachte Geschichte, die ausnahmsweise eine sehr offensichtliche Botschaft an den Leser bringt.

bewertung

Ein untypischer Fitzek? Ja und zugleich nein. Das globale Ausmaß, die Ähnlichkeiten zu einem Katastrophenthriller und die Idee an sich sind sicherlich untypisch. Aber Sebastian Fitzek lehrt uns auch mit diesem Buch wieder das Fürchten und dieses Mal ist es wesentlich nachhaltiger wie jeder Serienmörder. Ein überaus beeindruckender und gelungener Ausflug auf neues Terrain, dem auch Nicht-Fans eine Chance geben sollten!

5 Punkte

5 Kühe