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[Rezension] Dünengrab – Sven Koch

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Titel: Dünengrab

Autor: Sven Koch

Genre: Krimi

Verlag: Knaur,  August 2013

Format: eBook,  416 Seiten

Preis (D): 8,99 €

Inhalt

In dem kleinen Ort Werlesiel an der friesischen Küste verschwindet ein junges Mädchen nachts im dichten Seenebel. Femke Folkmer, Chefin der kleinen Polizeiinspektion, glaubt nicht an einen normalen Vermisstenfall. Aber auch die Schauergeschichte, die die Küstenbewohner sich erzählen, hält sie für eine Mär. Kriminalist Wolf verstärkt ihr Team. Doch statt der Vermissten finden die Ermittler den versteckten Friedhof eines Serienmörders. (amazon.de)

meinung

Wie heißt es doch so schön? Nordsee ist Mordsee! Ohne große Probleme könnte dieser Spruch das Motto des Buches sein, denn an der sonst so beschaulichen und idyllischen Nordseeküste verschwindet erst ein junges Mädchen spurlos und dann treffen die Ermittler auf einen schaurigen Friedhof unter dem Strand, der eindeutig erkennen lässt, dass die verschwundene Vicki wohl nicht das erste Opfer des Wahnsinnigen ist. Wie nicht anders zu erwarten, ist das kleine Küstennest Werlesiel in seinen Grundfesten erschüttert und verlangt der ortsansässigen Polizistin Femke alles ab.

Ich habe schon oft Urlaub in Ostfriesland gemacht und würde behaupten, dass ich mich in der Gegend schon ein klein wenig auskenne. Umso mehr hat mich die tolle und detailgetreue Atmosphäre der Geschichte begeistert, die den Leser von wo auch immer er gerade sein mag, an die windige Küste der Nordsee versetzt. Die Atmosphäre ist unglaublich dicht und authentisch, was nicht nur enorm zur Spannung beiträgt, sondern dem Buch auch einen ganz gewissen Küstencharme verleiht, dem man sich nicht entziehen kann (vor allem wenn man schon mal da war). Die ganzen 400 Seiten hindurch liegt etwas in der Luft, das man nicht so richtig greifen kann. Der Prolog macht dabei den unheimlichen Auftakt und immer mal wieder beginnt man dann daran zu zweifeln, ob denn hier wirklich alles natürliche Ursachen hat oder ob nicht doch die Geschichten von den alten Seebären einen Funken Wahrheit beinhalten. Neben diesem Spannungsfaktor gibt es aber noch jede Menge andere. Sven Koch weiß es nämlich, den Leser gekonnt hinters Licht und auf eine völlig falsche Fährte zu führen, und das fast bis zur letzten Seite! Solche Geschichten mag ich ja besonders gern und mir gefällt es auch, wenn ich selbst zum Nachdenken angeregt werde, wie es hier der Fall war. Bevor ich das Ende gelesen habe, habe ich mich wirklich hingesetzt und bin im Kopf die Möglichkeiten durchgegangen, wer denn nun der Täter sein könnte. Das mache ich selten, aber wenn ich es mache, dann weil mich das Buch nicht mehr loslässt, was immer ein positives Zeichen ist. Der Spannungsbogen ebbt nie ab und steigt stetig an, was den berühmten Sog entwickelt, aus dem man sich nicht mehr befreien kann.

Neben der super spannenden Story haben mir vor allem die Charaktere gefallen. Allen voran Femke habe ich gleich nach den ersten Seiten ins Herz geschlossen. Genau wie die Handlung sind auch die Charaktere voller interessanter Züge und Authentizität. Sie wirken weder aufgesetzt noch überzogen, obwohl sie allesamt Charakterköpfe mit Macken, Ecken und Kanten sind.  Femke und Tjark – der berühmte aber ziemlich aggressive Bestsellerautor und Kriminalist – bilden ein sympathisches und zugleich schlagkräftiges Ermittlerteam. Unterstützt werden sie dabei von allerhand Nebencharakteren, die aber nicht weniger abwechslungsreich in ihren Existenzen sind. Es ist wirklich ein bunter Haufen aus allesamt interessanten, aber auch ansprechenden Persönlichkeiten, bei denen selbst der kleinste Nebendarsteller eine Geschichte mit sich herum trägt, was wiederum zur überaus stimmigen Atmosphäre des gesamten Buches beiträgt. Keiner wirkt aufgesetzt oder gar erfunden, man kommt sich vor, als würden diese Menschen tatsächlich existieren.

„Dünengrab“ kam aus dem Nichts und hat sich in Rekordzeit zu meinem Monatshighlight im Februar entwickelt. Mein Krimifan-Herz hat hier nicht nur beim spannungsgeladenen Showdown am Ende höher geschlagen!

bewertung

Atmosphärischer und hochspannender Küstenkrimi, bei dem hinter jede Ecke eine neue Wendung wartet und man es bereut, das Buch auch nur für ein paar Minuten zur Seite gelegt zu haben.

5 Punkte

5 Kühe

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