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[Rezension] Ich und die Menschen – Matt Haig

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Titel: Ich und die Menschen

Autor: Matt Haig

Sprecher: Christoph Maria Herbst

Genre: Unterhaltungsroman

Format: Hörbuch, ca. 8,5 Stunden

Verlag: Der Hörverlag; März 2014

bei Audible

Inhalt

In einer regnerischen Nacht wird Andrew Martin, Professor für Mathematik in Cambridge, aufgegriffen, als er nackt eine Autobahn entlangwandert. Professor Martin ist nicht mehr er selbst. Ein Wesen mit überlegener Intelligenz und von einem weit entfernten Stern hat von ihm Besitz ergriffen. Und es ist nicht begeistert von seiner neuen Existenz. Es hat eine denkbar negative Meinung von den Menschen, jeder weiß schließlich, dass sie zu Egoismus, übermäßigem Ehrgeiz und Gewalttätigkeit neigen. Doch andererseits: Kann eine Lebensform, die Dinge wie Weißwein und Erdnussbutter erfunden hat, wirklich grundschlecht und böse sein? Und was sind das für seltsame Gefühle, die es überkommen, wenn es Debussy hört oder seiner vermeintlichen Frau Isobel in die Augen blickt?

meinung

Menschen? Abscheuliche Wesen!

Ein Außerirdischer, dessen Name uns unbekannt und unbegreiflich ist, kommt auf die Erde und nimmt die Gestalt von Professor Andrew Martin an, weil dieser Mathematiker eine Entdeckung gemacht hat, die so ziemlich das ganze Universum vernichten würde – in den Händen der Menschen. Es ist nun seine Aufgabe, alle aufzuspüren und zu vernichten, die schon von diesem Geheimnis erfahren haben. Klingt nach einem Horrorbuch? Ist es nicht, es ist ein Buch über uns, die Menschen, und es hat es geschafft, dass ich am Ende sogar ein kleines Tränchen verdrücken musste.

Besonders hässlich sind die Nasen

Dieses Buch ist eine seltsame Mischung aus wissenschaftlichem Kram, jeder Menge Ironie und Humor, aber auch unendlich vielen Dingen, die einen zum Nachdenken anregen. Der Außerirdische betrachtet unsere Welt, unser Denken und unser Handeln aus seiner Perspektive, völlig naiv und nur so wie es eigentlich ein Außenstehender tun kann, nämlich mit Neugier und Verwunderung zugleich. Warum gehen wir fünf Tage die Woche den selben Abläufen nach und amüsieren uns nur zwei, wovon einer schon wieder dazu dient, uns wegen dem Start der neuen Woche zu bemitleiden? Warum stoßen besonders unsere Nasen bei Außerirdischen auf Abneigung und warum eigentlich sind wir so eine fürchterlich gewalttätige und kriegerische Spezies, obwohl wir doch ständig davon reden es nicht zu sein? Matt Haig hält der Menschheit den Spiegel vor, erzählt von Außenseitern, der Liebe, unseren kruden Vorstellungen vom Leben und allem anderen, was die Menschheit ausmacht. Das passiert mit so viel Witz und Charme, dass man an vielen Stellen einfach lachen muss, auch wenn es einem eigentlich gar nicht zum Lachen zumute sein sollte.

Eine berührende Geschichte

Aber es ist nicht nur so, dass diese ganzen naiven Analysen zum Nachdenken anregen, nein, auch die Geschichte an sich ist etwas, das niemanden kalt zurücklassen sollte. Ist der Außerirdische anfänglich noch darauf aus, ohne Rücksicht auf Verluste seine Aufgabe auszuführen, beschleichen ihn bald Zweifel, ob die Menschen wirklich so schlecht sind, wie er immer geglaubt hat und bald befindet er sich in einer Situation mit der er niemals gerechnet hätte. Diese Geschichte ist berührend und nimmt einen mit. Emotionen spielen eine unheimlich große Rolle, es bleibt nicht aus, dass man mit den Protagonisten mitfühlen kann oder sie so gut versteht, weil man sich schon mal so ähnlich gefühlt hat. Es gilt einen Denkanstoß nach dem anderen zu verkraften und zu verdauen. Und dann kommen am Schluss die Weisheiten des Außerirdischen, die er seinem „Ziehsohn“ Gulliver mit auf den Weg gibt und die aus seinen Erfahrungen mit den Menschen entstanden sind – es sind verdammt viele und sie schlagen ein wie Granaten, das muss man erstmal verdauen.

Ein begnadetes Alien

Dass Christoph Maria Herbst als Sprecher dieses Hörbuches nochmal eine Schippe dazu beiträgt, dass es so toll, lustig, aber auch nachdenklich geworden ist, das bedarf wohl keiner Erklärung. Der Mann ist das perfekte Alien, das die Menschen begutachtet, ich habe ihm jedes Wort in seiner Rolle abgenommen.

bewertung

Was für ein Buch. Anfangs habe ich nicht damit gerechnet, dass es mich noch so mitnehmen und begeistern würde, da auch der Mittelteil etwas durchhängt was die Qualität betrifft. Dennoch gibt es einfach so viele berührende und irrwitzige Elemente in diesem Buch, dass ich darüber locker hinweg sehen kann und sehr angetan bin. Absolute Empfehlung.

5 Punkte

5 Kühe

[Rezension] Mr. Penumbras 24H Bookstore – Robin Sloan

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Titel: Mr. Penumbras 24-Hour Bookstore

Autor: Robin Sloan

Genre: Unterhaltungsroman

Format: Taschenbuch, 305 Seiten

Verlag: Atlantic Books; Dezember 2012

Preis: 7.40 €

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Inhalt

Recession has shuffled Clay Jannon out of his life as a San Francisco Web-design drone – and serendipity, coupled with sheer curiosity, has landed him a new job working the night shift at Mr. Penumbra’s 24-Hour Bookstore. But after just a few days, Clay begins to realize that this store is even more curious than the name suggests. There are only a few customers, but they come in repeatedly and never seem to actually buy anything, instead they simply borrow impossibly obscure volumes from strange corners of the store, all according to some elaborate, long-standing arrangement with the gnomic Mr. Penumbra. The store must be a front for something larger, Clay concludes, and soon he’s embarked on a complex analysis of the customers‘ behaviour and roped his friends into helping to figure out just what’s going on. But once they bring their findings to Mr. Penumbra, it turns out the secrets extend far outside the walls of the bookstore.

meinung

Mr. Penumbra’s 24 Hour bookstore war so ein „Jeder hat es – ich will auch“ und auch so ein bisschen ein „Cover“-Kauf gewesen. Ich hatte vieles davon gehört und gelesen, es sollte wohl um einen magischen Buchladen mit vielen tollen Zitaten und Seitenhieben auf die Buchbranche sein, also was lag da näher, als das Buch umgehend zu kaufen? Nachdem ich es gelesen habe, bringe ich lieber gleich mal eine kleine Warnung hier an: wer kein Nerd ist, sollte lieber die Finger davon lassen!

Ja, wo fange ich denn am besten an? Dieses Buch ist echt schrullig, streckenweise ziemlich öde und aber trotzdem muss man es einfach lieben, vor allem wenn man ein Herz für Bücher hat und Gadgets und Google und einfach alles was irgendwie „nerdmäßig“ ist. Es geht nämlich bei Weitem nicht nur um diesen kleinen, verschrobenen Buchladen in dem Clay da arbeitet, sondern es weitet sich sehr schnell auf eine ziemlich „ver-googelte“ und technische Ebene aus, die sicherlich nicht jedermanns Geschmack ist, vor allem dann wenn man eigentlich mehr aus der Bücher-Ecke kommt. Außerdem bekommt das Ganze noch eine große Brise Phantastisches, inklusive geheimen Logen und Codes die geknackt werden wollen. Das hört sich alles ziemlich verschroben an und ist es auch, aber das macht das Buch einfach aus. Vieles ist wirklich urkomisch und macht richtig Spaß zu lesen, insbesondere dann, wenn man sich eben auch ein wenig für technische Spielereien begeistern kann. Die Gegenseite ist dann aber auch wieder, dass es da oft zum Fachkauderwelsch kommt und das kann einem schon mal die Laune verderben, denn nicht immer blickt man da durch. Gerade in der englischen Ausgabe die ich gelesen habe, macht sich das deutlich bemerkbar. Apropos Englisch: man sollte sich lieber nicht als blutiger Anfänger heranwagen, etwas bessere Englischkenntnisse sind hierfür definitiv angebracht.

Nun aber zur Story, denn die ist irgendwie genau so wirr und komisch (aber liebenswürdig) wie das ganze Setting des Romans. Sie hat sehr viele Höhen und Tiefen und an manchen Stellen habe ich mich echt zu Tode gelangweilt, obwohl ich ja das technische Fachsimpeln teilweise ganz cool fand, aber zu viel davon – und vor allem über viel zu viele Seiten hinweg – ist dann halt einfach zu viel. Es gibt aber auch einige Stellen, an denen ich dann so dringend weiterlesen musste, dass die Seiten wie im Fluge unter meinen Fingern durchgerutscht sind. Man sollte sich wirklich ein wenig für Fantasy, Rollenspiele, Technik, Gadgets und ähnliches begeistern können, wenn man an diesem Buch Gefallen finden will, denn so richtig um den Buchladen geht es eigentlich nicht, aber ich will ja auch nicht zu viel verraten.

Clay ist ein ziemlich unscheinbarer Charakter, dem ich leider nicht viel abgewinnen konnte. Er bleibt die ganze Zeit über sehr blass, was es mir unmöglich gemacht hat, eine Bindung zu ihm aufzubauen. Das ist wirklich sehr schade, da er nun mal der Protagonist ist und das Buch damit eigentlich tragen sollte. Hier ist das leider nicht der Fall, dafür sind die Nebencharaktere um Mr. Penumbra höchstpersönlich so genial, dass sie den schwachen Hauptcharakter quasi aus seiner Misere befreien. Da hätten wir die hübsche Google-Mitarbeiterin mit dem Nerd-Shirt, die ulkigen Gestalten die des Nachts den Buchladen besuchen und natürlich den sagenumwobenen Mr. Penumbra höchstpersönlich. Sie alle sind schrullig und herrlich komisch, was allein schon bei ihrem Auftreten bei mir oft für ein Schmunzeln gesorgt hat.

Hat das Buch eine Botschaft? Ich weiß es nicht. Ist es so mega-toll wie viele gesagt haben? Vielleicht, aber es ist nicht das, was ich erwartet hatte. Dennoch hat es mir viel Spaß beim Lesen gemacht.

bewertung

Die Geschichte hat ihre Höhen und Tiefen, der blasse Protagonist wird von den tollen Nebencharakteren gerettet und jeder Nerd kommt voll auf seine Kosten. Meine hoch gepushten Erwartungen konnte das Buch nicht erfüllen, aber es war allemal tolle Unterhaltung.

4 Punkte

4 Kühe

[Rezension] Freitags in der Faulen Kobra – Stefan Nink

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Titel: Freitags in der Faulen Kobra

Autor: Stefan Nink

Genre: Unterhaltungsroman

Verlag: Limes; März 2014

Format: broschiert, 448 Seiten

Preis: 14.99 €

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Inhalt

Und wieder ist Siebeneisen auf einer unfreiwilligen Reise um die Welt – dieses Mal auf der Suche nach den Einzelteilen einer magischen Ganesha-Statue, die James Cook vor 250 Jahren aus der Schatzkammer eines Maharadschas in Sicherheit gebracht hat. Jetzt versucht ein Meisterdieb, die Stücke in seinen Besitz zu bringen, und nur Siebeneisen kann ihn stoppen. Ein Wettrennen um den Globus beginnt: Die Suche nach dem Elefantengott führt von Tonga nach Neuseeland, Hawaii und Kanada. Und während sich Siebeneisen mit Straußen, Eisbären und einem kleptomanischen Buschbaby herumschlagen muss und seine Freunde ihn aus dem Teehaus »Zur Faulen Kobra« unterstützen, wird im Palast des Maharadschas ein ganz anderer Plan verfolgt.

meinungEinmal um die Welt reisen! Ist das nicht etwas, was sich unglaublich toll anhört? Nach Abenteuer, viel Spaß und einer verdammt guten Zeit? Siebeneisen hat das schon mal hinter sich und weiß ganz genau, welche Tücken auf einen warten können und dennoch lässt er sich breit schlagen, als der Sultan ihn mit der Aufgabe fortschickt, die zerstückelte Elefantengott-Figur zu finden bevor es ein anderer tut und die Welt untergeht, zumindest für den Sultan.

Alles startet absolut chaotisch und mit einem fetten Fliegenstich in Indien. Von hier aus begibt sich Siebeneisen auf die Suche nach den einzelnen Stücken, die der alte Familienfreund James Cook irgendwo auf der ganzen Welt versteckt hat. Gleich nach ein paar wenigen Sätzen musste ich das erste Mal richtig schön Schmunzeln und der erste Lacher kam nur ein paar Seiten später. Ehrlich gesagt finde ich „Reiseromane“ jetzt nicht wirklich spannend, aber dieser hier – wenn man ihn denn überhaupt so nennen kann – ist etwas ganz anderes. Es ist bereits Siebeneisens zweites Abenteuer und man bekommt immer mal wieder einen Seitenhieb auf das Erste mit, es ist aber niemals so, dass man sich so vorkommt, als hätte man etwas verpasst. Stefan Nink hat einen tollen, einfallsreichen Humor, auch wenn die Geschehnisse manchmal etwas überzogen oder erzwungen witzig wirken, aber im Großen und Ganzen gibt es einfach enorm viele Stellen im Buch, die einem zumindest ein Schmunzeln aufs Gesicht zaubern und das macht auch den Charme des Buches aus.

Der Autor scheint nun selbst weit herum gekommen zu sein, denn er schildert die bereisten Orte mit einer solchen Genauigkeit, dass man das Gefühl hat, selbst vor Ort zu sein und bei den angesteuerten Reisezielen ist das einfach mal total herrlich. Neuseeland ist dabei, Kanada, Hawaii und noch einige andere Traumziele, die dank des flüssigen und lebendigen Schreibstil des Autors wirklich lebendig werden. Dabei ist es auch so, dass man einiges über Land und Leute lernt, auch wenn natürlich Pauschaltouristen und allerhand andere Kuriositäten die man so beim Reisen erlebt, schön humorvoll auf die Schippe genommen werden.

Siebeneisens Abenteuer an sich läuft dann aber leider immer wieder nach dem gleichen Schema ab, was einfach auf die Dauer langweilig wird, da können auch die tollen Umstände nichts mehr herausreißen. Im Prinzip reist er an einen Ort – sucht – wird fündig (oder auch nicht) und reist weiter zum nächsten Ort. Ich hätte mir das Ganze spannender vorgestellt. Es ist zwar nicht so, dass zwischendrin nicht mal etwas Außergewöhnliches passiert, aber das reicht einfach nicht aus, um das sich langsam selbst ausleiernde Schema F auszubügeln. Hier wurde für meinen Geschmack sehr viel Potential verschenkt.

Letztendlich hat mich das Buch aber dennoch recht gut unterhalten, da mir vor allem der Humor und auch das „so nebenbei“ vermittelte Wissen sehr gut gefallen hat. Dieses Buch ist die perfekte Lektüre für einen verregneten Nachmittag, wenn einen die Reiselust packt – kurzweilig und fluffig zu lesen.

bewertungEin lustiger und unterhaltsamer Reiseroman, der aber leider immer wieder nach dem selben Schema abläuft und dadurch etwas vorhersehbar und ermüdend wird. Aber für die kurzweilige Lesezeit zwischendurch ein herrlich schrulliger Roman.

Gute 3 Punkte

3 kühe

Herzlichen Dank an den Limes Verlag und Blogg Dein Buch für das Rezensionsexemplar!